"Die Dosis macht das Gift"

29. August 2003, 13:58
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Geringfügige Freisetzung von Kohlenmonoxid im Blut kann das Herz nach einem Infarkt schützen

Wien - "Die Dosis macht das Gift" - diese medizinische Weisheit bewahrheitet sich einmal mehr für das giftige Gas Kohlenmonoxid. Etwa durch schlecht ziehende Öfen oder defekte Thermen wird das Gas immer wieder auch in Wohnräumen freigesetzt und fordert sogar Todesopfer. Britische Wissenschafter haben nun herausgefunden, wie gezielte Gaben von Kohlenmonoxid für den Organismus aber auch von Vorteil sein können.

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Kohlenmonoxid entsteht bei unvollständiger Verbrennung in Öfen und sonstigen Brennern. Bekommen Flamme oder Glut zu wenig Sauerstoff - in Form von Luftzug - bildet sich nicht das relativ harmlose Kohlendioxid (CO2 - ein Kohlenstoff- und zwei Sauerstoffatom) sondern das giftige Kohlenmonoxid (CO - ein Kohlenstoff- und ein Sauerstoffatom). Im Blut heftet sich das CO an die Bindungsstellen des Hämoglobins, das eigentlich den Sauerstoff transportieren soll. Dabei wird das Kohlenmonoxid sogar fester gebunden als der Sauerstoff, ein CO-Opfer kann daher auch noch in einem bereits gelüfteten Raum innerlich ersticken.

Das gefährliche an dem Gas ist, dass es völlig geruch- und farblos ist. Eine Kohlenmonoxid-Vergiftung beginnt meist mit Frösteln, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Die Methode

Wissenschafter des Northwick Park Institute of Medical Research (NPIMR) und der University of Sheffield (Großbritannien) entwickelten spezielle Moleküle (CORM-3), die Kohlenmonoxid in Flüssigkeiten in Flüssigkeiten freisetzen. So kann etwa im Blut ganz gezielt ein bestimmter, sehr niedriger Spiegel an CO eingestellt werden.

Bei Herzzellen in einer Kultur, gleichsam im Reagenzglas, zeigte Roberto Motterline vom NPIMR, dass eine kleine Menge an Kohlenmonoxid-Molekülen der Gesundheit förderlich sein können. Simuliert man nämlich einen Herzinfarkt, indem man den Zellen über einen bestimmten Zeitraum wenig Sauerstoff zuführt, so erholen sich die Zellen unter Anwesenheit von CO wesentlich rascher als ohne. Die Experimente wurden auch an ganzen Herzen durchgeführt, auch hier zeigte sich der selbe Effekt: Das Kohlenmonoxid verringerte die Muskelschädigung bei und nach Sauerstoffentzug.

Brian Mann von der University of Sheffield ist überzeugt, dass das neue Medikament nicht nur bei Herzkrankheiten, sondern auch bei Organtransplantationen eingesetzt werden kann, es wirke entzündungshemmend. Vor allem die neue Verabreichungsform könnte den Durchbruch bringen. Die Verabreichung des giftigen Gases über die Lunge war bekanntermaßen schwierig. (APA)

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    grafik: derstandard.at
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