Industrie macht gegen Energiesteuern mobil

29. August 2003, 20:06
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Jeder dritte Betrieb denkt an Investitionsstopp

Wien - Die Industriellenvereinigung (IV) verstärkt ihr Lobbying gegen höhere Energiepreise, Energieabgabe und den durch das Kioto-Ziel bedingten Emissionshandel. Letzterer würde Stahl- und Papierproduzenten überproportional hart treffen und die Abwanderung wichtiger Betriebe beschleunigen, warnte IV-General Lorenz Fritz in einer Pressekonferenz am Montag.

Kioto-Protokoll verhindert Wachstum

Die heimische Industrie insgesamt produziere wachstumsbedingt drei Millionen Tonnen mehr Emissionen als 1990. Die im Kioto-Ziel vereinbarte Reduzierung des CO-Ausstoßes um jährlich 13 Prozent würde daher extrem wachstumshemmend wirken.

Besonders drastisch sei das Beispiel Voestalpine, die zehn Prozent der österreichischen CO-Emissionen verursacht: Fährt sie ihren Wachstumskurs 2010 wie geplant, drohten jährliche Kosten für den Zertifikatszukauf von 35 bis 40 Mio. Euro. Da Österreich über keine stillzulegenden Kapazitäten in der Stahlindustrie verfüge, die in Anrechnung gebracht werden können, müsste die Voest, deren Emissionen seit 1980 um 30 Prozent zurückgingen, den Ausbau ihrer Kapazitäten allenfalls in andere Länder verlegen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Industriellen Vereingung will Berücksichtigungen

"Das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein", sagt der IV-General, Österreich müsse in der EU nicht den Musterknaben spielen und besonders hart zur eigenen Industrie sein. Die IV fordert von Umweltminister Josef Pröll daher, dass bei der Zuteilung der Emissionszertifikate grenzüberschreitende Projekte, Expansionspläne und produktionstechnische Vorleistungen berücksichtigt werden. "Bei weiter steigenden Industriekosten überlegt ein Drittel der Industrieunternehmen einen sofortigen Investitionsstopp", sagt Fritz.

Laut einer IV-Umfrage unter 250 österreichischen Industriebetrieben hätte eine Steigerung der Energiekosten um bis zu zehn Prozent "dramatische Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort und den ,Wachstumsmotor Industrie'". Demnach denken 35 Prozent der betroffen Unternehmen an einen sofortigen Investitionsstopp in Österreich (s. Grafik), zwei Prozent würden sogar aus Österreich abziehen. (ung)

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    Fritz: "Bei weiter steigende Industriekosten überlegt ein Drittel der Industrieunternehmen einen sofortigen Investitionsstopp"

  • Strompreis für Großkunden in Europa.
    grafik: standard

    Strompreis für Großkunden in Europa.

  • Standortauswirkungen bei steigenden Energiekosten.
    grafik: standard

    Standortauswirkungen bei steigenden Energiekosten.

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