Kommentar: Kriegt Kinder!

26. August 2003, 11:44
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Unterrichtsministerin Gehrer plaudert über ihre Generation

Eigentlich wäre es ganz einfach: Die Jungen sollten besser Kinder kriegen, anstatt "von Party zu Party rauschen". Die Ansichten von Elisabeth Gehrer, als Bildungsministerin auch für die Jugend verantwortlich, sind bestechend. Der Generationenkonflikt wäre geklärt, die Pensionen gesichert. Schade bloß, dass sich das nicht per Verordnung umsetzen lässt.

Österreichs Jugendliche sind also verantwortungslos und vergnügungssüchtig. Dabei wäre es so einfach, die Partner zum Kinderkriegen beim sonntäglichen Gottesdienst, beim gemeinsamen Engagement in der Trachtenkapelle oder bei der Polonaise in der Tanzschule, in der auch gleich gutes Benehmen gelehrt wird, kennen zu lernen.

Ihre Generation war da noch ganz anders, erläutert Gehrer: Die habe sich um die Alten gekümmert - und Kinder bekommen. Da gibt es ÖVP-Kollegen mit Vorbildwirkung: Wirtschaftsminister Bartenstein hat mit fünf Kindern seinen Beitrag zweifellos geleistet, Nationalratspräsident Andreas Khol gilt mit sechs Kindern unser besonderer Dank. Da muss sich Gehrer mit drei Kindern fast schon rügen lassen. Und Wolfgang Schüssel, bleibt man beim einfachen Weltbild, nähert sich mit zwei Kindern schon bedenklich dem sozialistischen Familienmodell an.

Im Übrigen ist Österreich EU-Schlusslicht, was die Zahl der Kinderbetreuungsplätze betrifft. Wer, wie Gehrer fordert, genug Kinder bekommt, würde also zu Hause bleiben müssen. Beruf und Familie sind für Frauen immer noch kaum vereinbar. Staatssekretärin Ursula Haubner will zwar einen runden Tisch einberufen - letztendlich nur ein Ausdruck von Ratlosigkeit.

Wenn Gehrers Ausführungen die Familienpolitik der ÖVP auf den Punkt bringen, heißt das nicht vielmehr als: Frauen, kriegt Kinder und bleibt zu Hause, am Herd. Gehrers Aussagen entlarven nicht nur eine sehr einfach Sicht der Dinge. So wie es hingesagt wurde, klingt es auch naiv. Oder reaktionär. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 25.8.2003)

Von Michael Völker
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