US-Soziologe Birnbaum: "Bush wird sich warm anziehen müssen"

26. August 2003, 22:57
9 Postings

Immer stärkere Kritik an "arrogantem Unilateralismus und Inkompetenz"

Washington/Berlin - US-Präsident George W. Bush habe "zu viele Fehler" gemacht; jetzt beginne die demokratische Opposition, davon zu profitieren, schreibt der amerikanische Soziologe, Politologe und Historiker Norman Birnbaum in der deutschen "tageszeitung" (taz) (Montag-Ausgabe). "Bush wird sich warm anziehen müssen. Nicht nur in die Demokratische Partei, auch in die amerikanische Demokratie kehrt das Leben zurück."

"Die Bürger der Vereinigten Staaten sind bemerkenswert religiös. Dabei haben wir gerade ein weltliches Wunder erlebt: die Wiederauferstehung der Demokratischen Partei, die eigentlich für tot erklärt worden war". Die unmittelbaren Gründe dafür seien "die immer offensichtlichere Katastrophe des Krieges im Irak, die unermüdliche Oberklassenpolitik" des Präsidenten, der Verlust von über zwei Millionen Arbeitsplätzen während seiner Präsidentschaft und die Haushaltskrise, analysiert der emeritierte Professor für Geschichte an der Georgetown University in Washington.

"Die endlosen Skandale in der Geschäftswelt wirken wie Wasser auf die demokratischen Mühlen. Besonders die Gewerkschaften stehen dem Freihandel und dem massenhaften Verlust von Arbeitsplätzen an Billiglohnstandorte zutiefst skeptisch gegenüber. Die Kämpfer für bürgerliche Freiheiten schließlich verabscheuen den schamlosen Autoritarismus und die Repressionen, die mit der 'nationalen Sicherheit' begründet werden".

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 hätten zur "Kapitulation der meisten unserer Politiker und der gesamten Presse vor dem Weißen Haus und vor dessen Kriegslust, Chauvinismus und unsinnigem nationalen Selbstmitleid" geführt. "Die Opposition war auf der Straße und im Internet präsent - aber nicht im Capitol, von einigen ehrenvollen Ausnahmen abgesehen. Das hat sich geändert. Im Kongress und bei den Beamten des Außenministeriums, unter den Kolumnisten und Experten wird die Kritik am arroganten Unilateralismus und der schieren Inkompetenz der Bush-Gang immer hörbarer. Die groteske Ungerechtigkeit der jüngsten Steuergesetze, die offenkundige Begünstigung der Reichen, hat die Vorurteile der Mittelklasse geweckt. (...) Die Schulden der Haushalte sind gewachsen. Viele Familien stehen kurz vor der Katastrophe - und spüren das." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein winterlicher Protest gegen den Irak-Krieg vom Februar 2003 im New Yorker Central Park

Share if you care.