Frankreichs Linke will Zusammenarbeit erneuern und festigen

26. August 2003, 09:23
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"Pluralistische Linke" bei Regional- und Europawahl anvisiert

Paris - Frankreichs Linksparteien haben sich am Wochenende anlässlich einer Parteiveranstaltung der Grünen im südfranzösischen Marseille darauf geeinigt, ihr Bündnis in Hinblick auf die Regional- und Europawahlen vom kommenden Jahr zu erneuern. Bei der Veranstaltung zugegen waren neben den Grünen auch Sozialisten (PS), Radikalsozialisten (PRG), Kommunisten (PCF), Trotzkisten und "Republikanische Linke" (AGR).

Der PS-Verantwortliche für die Wahlstrategie, Bruno Le Roux, schlug den Linksparteien eine "Grundsatzdebatte" vor, um auf dieser Grundlage "im Rahmen eines wirklichen Erneuerungsprojektes der Gesellschaft eine Alternative zu den Konservativen" anzubieten. Der Trotzkist Samuel Joshua betonte, seine Partei sei zu einer Regierungsbeteiligung bereit. "Wir möchten gerne an der Verwaltung der Institutionen teilnehmen, aber wir können dieses Ziel alleine nicht erreichen", betonte er. Bei der Präsidentenwahl 2002 hatte der Trotzkisten-Kandidat Olivier Besancenot im ersten Durchgang mehr Vorzugsstimmen als der KP-Kandidat Robert Hue.

Gemeinsame "programmatische Plattform"

AGR-Sprecher Jean-Loup Coly betonte die Notwendigkeit einer gemeinsamen "programmatischen Plattform". Ansonsten sei jedes Bündnis wie bereits die "pluralistische Linke" zum Scheitern verurteilt. "Wenn wir an die Macht zurückkehren wollen, dann müssen wir die Gegenüberstellung zwischen der extremen Linken und der Regierungslinken überwinden." Man müsse eine Alternative zur konservativen UMP-Regierung schaffen.

Der ehemalige sozialistische französische Premierminister Laurent Fabius sprach sich ebenfalls für ein "globales Abkommen" der Linken aus. "Ich bin dafür, dass eine Annäherung und eine gemeinsame Arbeit aller Fortschrittlichen in ein globales Abkommen münden. Wir sind noch nicht am Ziel, aber man muss darauf hin arbeiten", so Fabius. Sozialisten und Grüne hatten gemeinsam mit den Kommunisten (PCF) und Radikalsozialisten (PRG) von Juni 1997 bis Mai 2002 in einer als "pluralistische Linke" bezeichneten Koalition unter dem sozialistischen Premier Lionel Jospin (PS) regiert. Nach den Niederlagen bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen im Vorjahr gingen die Linksparteien wieder getrennte Wege. (APA)

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    Frankreichs Grüne organisierten am vergangenen Wochenende in Marseille ihre erste Sommertagung unter der Leitung des neuen Parteichefs Gilles Lemaire (Bild), der im vergangenen Jänner nach einem langen parteiinternen Streit als Vertreter des "linken Flügels" eingesetzt wurde.

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