Griechische NS-Opfer fordern Schadenersatz von Deutschland

26. August 2003, 09:23
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Anwälte sehen Pflicht zu individueller Entschädigung

Hamburg - Vier Opfer des SS-Massakers im griechischen Distomo haben Verfassungsbeschwerde gegen ein Urteil des deutschen Bundesgerichtshofes (BGH) eingelegt, nach dem Hinterbliebene keinen Anspruch auf Schadenersatz durch die Bundesrepublik haben. Die vier Geschwister Argyris Sfountouris, Chryssoula Tzatha, Astero Liaskou und Kondylia Sfountouri hätten die Beschwerde am Sonntag beim Bundesverfassungsgericht erhoben, teilten ihre Anwälte in Hamburg mit.

Die Geschwister wollten einen individuellen Rechtsanspruch auf Schadensersatz oder Entschädigung erreichen. Ihre Eltern wurden bei dem Massaker der Waffen-SS am 10. Juni 1944 im griechischen Distomo ermordet, das elterliche Haus niedergebrannt. Seit 1995 kämpfen Argyris Sfountouris und seine Schwestern vor deutschen Gerichten um eine Entschädigung für das erlittene Leid.

Die Anwälte machen bei ihrer Verfassungsbeschwerde geltend, die Bundesrepublik sei als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reichs zu Schadensersatz verpflichtet. Der BGH habe zu Unrecht angenommen, diese Entschädigung könne nur im Rahmen der Reparationspflicht durch den griechischen Staat, nicht aber von den Opfern selber als individueller Schadensersatzanspruch geltend gemacht werden. Diese Annahme widerspreche zudem der Haager Landkriegsordnung, die den Schutz der Individuen in den Vordergrund stellt und einen Ausschluss ihrer Rechte einschließlich der Klagemöglichkeit verbietet. (APA/AFP)

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    Bei dem Massaker in der Ortschaft Distomo bei Delphi hatten Einheiten der Waffen-SS am 10. Juni 1944 mindestens 218 Menschen getötet.

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