Distanz zwischen EU und USA ist "die Normalität"

25. August 2003, 15:48
posten

Politologe Weidenfeld: "So schön wie im Kalten Krieg wird's nimmer werden"

Alpbach - Mit einem ungewöhnlichen Kommentar zum gegenwärtig eher frostigen Verhältnis zwischen den USA und Europa hat der deutsche Politologe Werner Weidenfeld im Rahmen des diesjährigen Forum Alpbach aufhorchen lassen. Die Distanzierung sei weniger eine noch nie da gewesene Verschlechterung der Beziehungen, sondern vielmehr der künftige Status Quo, so Weidenfeld in einer Diskussionsveranstaltung am Sonntag Abend.

"Willkommen in der Normalität!", rief Weidenfeld ins Publikum. "Das Verhältnis zwischen den USA und Europa ist heute in der Tat normalisiert: Über Jahrhunderte war es von Ambivalenz und Distanz geprägt." Nur nach dem Zweiten Weltkrieg seien beide politische Systeme essenziell aufeinander angewiesen gewesen, nur deshalb habe man am gleichen Strang gezogen. Das sei nun vorbei. "Man könnte, überspitzt formuliert, sagen: So schön wie im Kalten Krieg wird's nimmer werden!"

Mangelhafte Strategie

Zwar kritisierte der Politologe die nach wie vor fehlende bzw. mangelhafte weltpolitische Strategie Europas - für ihn ein Erbe der Geschichte des Kontinents -, doch die USA könnten auch nicht Europa für sich vereinnahmen.

Weidenfeld sieht die Lösung des europäisch-amerikanischen Problems weniger in einem zwanghaften Annäherungsprozess, sondern vielmehr in der gemeinsamen und besonnenen Entwicklung einer "situativen, interessenorientierten Zusammenarbeit". "Wenn wir in einigen Themen nicht übereinstimmen, dann eben nicht. Dafür gibt es wieder andere Bereiche, in denen wir bestens harmonieren", meinte Weidenfeld. Die "anlassbezogene Kooperation" sei der einzig gangbare, verträgliche und pragmatische Weg, so der Politologe. (APA)

Share if you care.