Ein schwacher Trost

6. Oktober 2003, 15:55
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Knapp eine Woche noch, dann ist dieses Fernseh- Sommerloch vorbei ...

... Erstes untrügliches Zeichen: Deutschlands gefürchtetste Jury mit Schandmaul Dieter Bohlen tritt wieder zusammen, um einen neuen singenden "Superstar" auf RTL zu finden, der dann ein paar Wochen die Gehörgänge der Menschheit beanspruchen und danach bedauerlicherweise wieder in der Versenkung verschwinden darf. In Österreich stellt sich erst ab 19. September die Frage: Wer wird der neue Michael Tschugnall, Sieger der ersten "Starmania"-Staffel? Die Antwort gibt es erst beim Finale im Jänner 2004. Ob die Zuschauer die Ungewissheit so lange ertragen können? Nicht so lange dauert es, bis Dodo Roscic im November wieder eine ORF-Show moderieren darf. Eine Art Persönlichkeitstest, interaktiv soll er sein. Mit SMS-Schicken und so. Nein, wie innovativ.

Wer den vergangenen Samstagabend vor dem Bildschirm verbrachte, findet derlei Konzepte womöglich wirklich mutig. Das "Überraschungsfest der Volksmusik" lief auf zwei deutschsprachigen Sendern (ORF 2 und ARD). Irgendwie hat den Tagebuchschreiber der Teufel geritten, und er wollte angesichts mangelnder Alternativen nur fünf Minuten schauen, was das überhaupt ist. Dieter Thomas Heck sang ein Lied. Schlimm genug. Die Tochter, für die es eigentlich bestimmt war, hörte aber auch unbemerkt zu, überraschte den guten Mann und rührte ihn zu Tränen. Taschentücher wurden gereicht. Der Fernsehsommer hat bald ein Ende. Ein schwacher Trost, aber ein Trost. (pi/DER STANDARD, Printausgabe vom 25.8.2003)

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