Showdown in Seibersdorf

29. August 2003, 20:06
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Der Streit um die Neuausrichtung der Austrian Research Centers strebt seinem Höhepunkt zu - Am 20. Oktober muss der Aufsichtsrat über Strategie und operative Umsetzung entscheiden.

Alpbach/Wien - Im Forschungszentrum Seibersdorf bahnt sich nach Monaten des politischen Tauziehens ein Showdown an. Am 23. September soll das Aufsichtsratspräsidium unter Richard Schenz über die neue Strategie und deren operative Umsetzung für Österreichs größte außerordentliche Forschungseinrichtung befinden, am 20. Oktober der gesamte Aufsichtsrat.

Erich Gornik, der im Frühjahr neu bestellte wissenschaftliche Leiter der Austrian Research Centers (ARC), stellt im STANDARD-Gespräch klar, dass er nicht die Absicht habe, "Frühstücksdirektor" zu sein. Er bestehe darauf, dass er auch die Personalkompetenz für den ihm überantworteten Kernbereich Seibersdorf Research bekomme. "Es kann nicht sein, dass ich mir die Mitarbeiter, mit denen die neue Seibersdorf-Strategie umgesetzt wird, nicht aussuchen kann."

Kompetenzen nicht klar verteilt

Dass die Kompetenzen zwischen Gornik und Kogeschäftsführer Helmut Krünes nicht klar verteilt beziehungsweise überlappend sind, geht auch aus ihren jeweiligen Bezeichnungen in den Presseunterlagen hervor: Krünes ist für "Strategische Unternehmenssteuerung und Finanzen" der neuen ARC-Holding zuständig, Gornik für die "Forschungs- und Technologieentwicklungs-Strategie". Damit ist für Zank gesorgt.

Über die von Gornik vorgelegten Eckpunkte für eine ARC-Neuausrichtung selbst dürfte im Aufsichtsrat (Mehrheitseigentümer ist der Bund in Person von Infrastrukturminister Hubert Gorbach) Einigkeit herrschen: Die ARC sollen sich künftig nicht in Regionalisierung und inhaltlicher Zersplitterung verzetteln, sondern "in ein bis drei Feldern eine Größe erreichen, die in Europa sichtbar ist".

Sparten gut vernetzen

Dazu will Gornik die einzelnen Sparten gut vernetzen, sodass Einheiten mit bis zu 200 Mitarbeitern entstehen. So etwa will er das "hervorragende Know-how" in Medizintechnik, Elektronik, Bilderkennung etc. zum Bereich Informationstechnologie zusammenführen. "Überleben kann man nur durch hohe Kompetenz, und zwar interdisziplinär", sagt Gornik, der zuvor Professor für Festkörperelektronik an der TU Wien war. Bekomme er diese nicht vom Aufsichtsrat, werde er Seibersdorf den Rücken kehren.

Von den 200 Millionen Euro, die der Forschungsrat für die außerordentliche Forschung "reserviert" habe, "wollen wir 60 bis 70 Millionen Euro holen", sagt Gornik.

Die noch von seinem Vorgänger Günther Koch initiierte Wissensbilanz zeigt die Schwächen auf: Zwar wurden mehr und größere Aufträge an Land gezogen, der wissenschaftliche Output, "der auch ein Indikator für den längerfristigen Kompetenzaufbau ist", stieg jedoch nicht. Auch der Wissenstransfer in die Wirtschaft wurde nur auf dem Niveau 2001 gehalten. (Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 25.08.2003)

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    foto: photodisc

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