Pkw-Fahrer blechen für Lkw

27. August 2003, 19:12
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Die Abgaben pro Pkw und Jahr sind dreimal so hoch wie die Kosten, die durch Benutzung von Autobahnen und Schnellstraßen entstehen - Der Schwerverkehr zahlt im Vergleich dazu viel zu wenig

Wien - Pkw-Fahrer in Österreich zahlen rund dreimal so viel, als sie an Kosten bei der Benutzung von Autobahnen und Schnellstraßen verursachen. Der Schwerverkehr hingegen kann seine Kosten bei weitem nicht decken. Das geht aus der jüngsten, im Auftrag des Infrastrukturministeriums erstellten, Wegekostenrechnung des Planungsbüros Max Herry hervor.

Einnahmen von 1299 Mio. Euro stehen beim Pkw 427 Mio. Euro an Infrastrukturkosten gegenüber; der Kostendeckungsgrad beträgt 304 Prozent. Beim Lkw hingegen stehen Kosten in Höhe von 583 Mio. Einnahmen von 517 Mio. Euro gegenüber. Der Kostendeckungsgrad beträgt somit nur 89 Prozent.

Vignette und Steuer

Die laufenden Einnahmen setzen sich im Wesentlichen zusammen aus der Mineralölsteuer, Maut- und Vignettenerträgen, Straßenbenützungsabgabe, Kfz-Steuer, Normverbrauchsabgabe sowie Versicherungssteuern. Dem stehen Kosten für die Erhaltung des Autobahn- und Schnellstraßennetzes gegenüber, wobei Unfall- und Umweltkosten in dieser Berechnung nicht berücksichtigt sind.

Noch etwas zeigt sich in der Wegekostenrechnung, die dem STANDARD vorliegt: Gegenüber der zuletzt vor zehn Jahren angestellten Rechnung ist die Deckung der Infrastrukturkosten der Lkw gesunken, jene der Pkw hingegen deutlich gestiegen. Rudolf Hellar, Generalsekretär des Autofahrerklubs ARBÖ, findet es deshalb nur gerecht, dass mit der bevorstehenden Einführung des Lkw-Roadpricing in Österreich auch dem Schwerverkehr ein Schritt in Richtung Kostendeckung aufgezwungen wird. Weitere Zugeständnisse an Frächter und Spediteure über die bereits fixierte Streichung der Straßenbenützungsabgabe, die Senkung der Kfz-Steuer und den Wegfall der Vignette für Lkw zwischen 3,5 und zwölf Tonnen hinaus sollten tunlichst vermieden werden. "Sonst bleibt von der Maut fast gar nichts mehr übrig", sagte Hellar im STANDARD-Gespräch.

Jammern der Frächter ist unangebracht

Das Jammern der Frächter über die Lkw-Maut sei unangebracht. "Die Branche kann durch die Maut sogar auf zusätzliches Geschäft hoffen", so Hellar. Einer Umfrage zufolge, die Sebastian Kummer von der Wirtschaftsuniversität Wien im Auftrag der Wirtschaftskammer gemacht hat, überlegen etwa 27 Prozent der befragten Unternehmer, ihren Firmenfuhrpark an ein spezialisiertes Unternehmen auszulagern. Für viele Betriebe würde es sich mit der Lkw-Maut nicht mehr auszahlen, einen eigenen Werksverkehr zu unterhalten. "Geschieht das, würden jene Tonnagen, die heute auf rund 70.000 firmeneigenen Lkw befördert werden, künftig den Frächtern überlassen", sagte Hellar. Das sei ein beachtliches Potenzial an Zusatzgeschäft für die rund 26.000 Frächter-Lkw. (Günther Strobl, Der Standard, Printausgabe, 25.08.2003)

  • PKW-Fahrer zahlen viel mehr als sie kosten
    foto: epa/lin

    PKW-Fahrer zahlen viel mehr als sie kosten

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