Israel verfolgt Netzwerk jüdischer Extremisten

25. August 2003, 19:02
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"Rächer" sollen mindestens neun Palästinenser getötet haben

Jerusalem - Geheimdienst und Polizei in Israel sind einem Netzwerk jüdischer Extremisten auf der Spur, die für mehrere Anschläge auf Palästinenser verantwortlich gemacht werden. Nach insgesamt neun Festnahmen unter Siedlern seit vergangenem Monat verdichteten sich die Hinweise auf ein "Terroristennetzwerk", verlautete am Sonntag aus Ermittlerkreisen. Bereits im vergangenen April waren vier Verdächtige festgenommen worden. Bisher sei es aber nicht gelungen, Verbindungen zwischen den beiden Gruppen aufzudecken, die mindestens neun Palästinenser bei Anschlägen getötet haben sollen, hieß es weiter. Die Justiz hatte die Informationen bisher aus Ermittlungsgründen zurückgehalten.

Bombenanschlag

Die Gruppen hatten sich unter dem Namen "Rächer" zu ihren Taten bekannt; meist schlugen sie auf Straßen zu. Ende April des vergangenen Jahres verhinderte die Polizei einen Bombenanschlag auf eine palästinensische Schule in Ostjerusalem, als sie drei Siedler noch am geplanten Anschlagsort verhaftete. Zuletzt wurde den Angaben zufolge ein 21-jähriger Soldat aus einer illegalen Siedlung im Norden des Westjordanlandes festgenommen.

Sollten sich die Verdachtsmomente erhärten, wäre dies "die schwerwiegendste jüdische Terrorismusaffäre" seit den achtziger Jahren, sagte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter. Damals hatte ein Netzwerk von Extremisten, zu dem ebenfalls Siedler gehörten, mehrere blutige Anschläge verübt. Ein Sprengstoffattentat auf die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem sollte das Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten aufhalten. Die Mitglieder der Organisation wurden zu teilweise lebenslangen Haftstrafen verurteilt, sind aber inzwischen allesamt begnadigt. (APA)

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