USA über neue Kämpfe in Liberia besorgt

28. August 2003, 13:29
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Sicherheitsrat hält Sanktionen aufrecht - Holzhandel für Finanzierung des Bürgerkriegs missbraucht

New York/Washington - Die USA sind wegen der neuen Kämpfe in Liberia besorgt. Die Gefechte zwischen Regierungstruppen sowie den beiden Rebellenorganisationen LURD ("Vereinigte Liberianer für Versöhnung und Demokratie") und MODEL ("Bewegung für Demokratie in Liberia") zerstörten die Chancen des Friedensabkommens und behinderten die Hilfe für die notleidende Bevölkerung, sagte US-Außenamtssprecher Philip Reeker am Dienstag (Ortzeit) in Washington. Insbesondere kritisierte Reeker die LURD. Ihre Drohungen, im Norden des Landes wieder vorzurücken, seien "inakzeptabel".

In der vergangenen Woche hatten die Bürgerkriegsparteien der westafrikanischen Republik ein Friedensabkommen unterzeichnet, das die sofortige Einstellung der Kämpfe sowie die Bildung einer Übergangsregierung vorsieht. Dennoch mussten laut Berichten von Hilfsorganisationen in den vergangenen Tagen zehntausende Liberianer vor neuen Kämpfen fliehen.

Machtkampf zwischen Rebellen

Westliche Diplomaten in Monrovia befürchten seit Monaten einen blutigen Machtkampf zwischen LURD und MODEL nach dem Ende des Regimes des ins Exil gegangenen Staatschefs Charles Taylor. LURD wird von Guinea, MODEL von Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) unterstützt.

Nach der Darstellung von Verteidigungsminister Daniel Chea handelt es sich bei Berichten über Massaker und Angriffe in der liberianischen Stadt Bong Mines allerdings um Gerüchte, die von Soldaten gestreut wurden. Die Regierungstruppen wollten sich damit die Möglichkeit zu Plünderungen verschaffen, sagte er am Mittwoch. Allerdings gebe es trotz eines am 18. August ausgehandelten Waffenstillstandsabkommens und der Stationierung westafrikanischer Friedenstruppen "schwere Kämpfe" um die weiter im Landesinneren gelegenen Städte Gbatala und Gbarnga. Nach Angaben von Hilfsorganisationen zogen große Flüchtlingsströme aus den nördlich von Monrovia gelegenen Städten in die liberianische Hauptstadt.

Ein Aufklärungsteam der Friedenstruppe, deren Mission vor knapp vier Wochen begann, soll die unübersichtliche Lage bei Gbatala und Gbarnga bewerten. "Wir sind besorgt über die Vorfälle im Hinterland", sagte Stabschef Theophilus Tawiah. Mit den Kommandanten der Rebellen in dem Gebiet solle über eine Stationierung der westafrikanischen Eingreiftruppe verhandelt werden. Noch fehlten dafür jedoch Truppen; von den versprochenen 3.250 Soldaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) sind erst 1.500 im Land.

Sicherheitsrat hält Sanktionen aufrecht

Der Sicherheitsrat wird die Sanktionen gegen den lukrativen Holzhandel in Liberia vorerst beibehalten. Eine Aufhebung komme erst nach einer Stabilisierung der Lage in dem westafrikanischen Land in Frage, in dem auch nach dem Rücktritt von Präsident Charles Taylor weiter gekämpft wird, erklärte das höchste UNO-Gremium am Dienstag in New York. Es bestehe immer noch die Gefahr, dass Einnahmen aus dem Holzhandel dafür missbraucht würden, den Bürgerkrieg zu finanzieren. Die Entwicklung in Liberia werde in den kommenden Wochen und Monaten aufmerksam verfolgt.

Holzausfuhren gehören zu der wichtigsten Einnahmequelle Liberias. Die Holzindustrie hatte im vergangenen Jahr einen Anteil von 25,9 Prozent am Bruttosozialprodukt und 55,7 Prozent an den Exporteinnahmen. UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat dem Sicherheitsrat am 7. August berichtet, dass der Holzhandel treibende Kraft einer wirtschaftlichen Erholung des Landes nach einer Befriedung sein könnte. Taylor ging am 11. August ins Exil. Zur Ruhe kam das Land seitdem aber nicht.

Der Sicherheitsrat hatte am 5. Mai ein Waffenembargo gegen Liberia verlängert und vom 5. Juli an ein Verbot des Holzhandels verfügt. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Checkpoint außerhalb Monrovias

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