Sagen wir, es war Riminix

27. August 2003, 10:46
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Das leise Ende des deutsch-italienischen Sommertheaters

Verona/Wien - Nicht jeder Erregung muss zwingend die Ernüchterung folgen. In der Ökonomie des politischen Echauffements gibt es auch wohl kalkulierte Verdrängung. Die konnte am Wochenende zu Verona bestaunt werden, wo es neben einer Oper aus dem Zigarettendrehermilieu die Schmiere der Realitätsverdreher gab: die Rede vom Nazibüttel, die Invektive über die supernationalistischen Germanen, der Urlaubsboykott? - Sagen wir, es war "Riminix" (Bild-Zeitung).

Bundeskanzler Gerhard Schröder holte sich in der Arena (gemeinsam mit Romano Prodi) bei "Carmen" Pfiffe ab. Silvio Berlusconi ließ sich sicherheitshalber entschuldigen und hatte damit den Vorteil, dass er nicht mit mehr Buhs bedacht wurde als sein Kollege. Danach erklärte man alle "Irritationen" für beendet, ließ Herrn Schultz einen guten Mann sein und die seit jeher "sehr guten Beziehungen" der beiden Länder hochleben.

"Schröder ist in Italien immer willkommen, auch wenn er einmal nicht mehr Kanzler sein sollte", sagte Berlusconi dann noch. Und: Gegen die Beleidigungen eines gewissen Exstaatssekretärs Stefano Stefani, der Herrn Schröder erst unlängst "mangelnde Intelligenz" attestiert hatte, könne er nichts unternehmen. Der sei jetzt ja ein einfacher Staatsbürger.

Dass der Premier beim Bürger Berlusconi mitunter weniger zurückhaltend ist, ist eine andere Sache. Und zumindest die italienische Politik, scheint es, ist jetzt wieder ganz bei sich. (pra/DER STANDARD, Printausgabe, 25.8.2003)

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    Als hätte nie ein Wässerchen ihre Beziehung getrübt: Italiens Premier Berlusconi (links) und der deutsche Kanzler Schröder.

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