Doping-Skandal: Lichtenegger sieht keinen Grund für Rücktritt als FPÖ-Mandatar

25. August 2003, 13:12
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Scheibner und Brosz: Kein Anlass für Konsequenzen - SP: Kommt auf B-Probe an - Haupt von Unschuld überzeugt

Klagenfurt - Der bekannte Kärntner Leichtathlet Elmar Lichtenegger sieht im Zusammenhang mit seiner Doping-A-Probe keinen Grund, als FPÖ-Abgeordneter zurückzutreten. "Ich denke über Konsequenzen überhaupt nicht nach, weil ich mich nicht schuldig fühle", erklärte er am Sonntag gegenüber der APA. Lichtenegger ist Sport- und Jugendsprecher der Freiheitlichen im Nationalrat und hat als Sportler auch große Vorbildwirkung.

Beim ÖLV-Athleten waren - wie am Samstag bekannt wurde - bei einem unangekündigten Test Anfang Juni Metaboliten von Norandrosteron festgestellt. Nach seinen Angaben stammen die Spuren der verbotenen Substanz von dem Nahrungsergänzungsmittel Mega Ribosyn 1100, welches er über eine Wiener Firma (Vitaminexpress) erworben hatte.

"Für jedermann erhältlich"

"Als Nationalrat werde ich mich massiv gegen Firmen einbringen, welche solche Produkte auf den Markt bringen", sagte der Sportler. "Sie sind für jedermann erhältlich, das ist die eigentliche Sauerei. Denn viele Hobbysportler und Jugendliche verwenden Mega Ribosyn 1100."

Unschuldsvermutung

Keinen Grund für einen Rückzug Lichteneggers aus dem Parlament sieht man bei den Kärntner Freiheitlichen. "Vorerst gilt für ihn einmal die Unschuldsvermutung", erklärte Parteisprecher Siegfried Jost gegenüber der APA. "Denn wie es Lichtenegger darstellt, ist er unschuldig." Sollte sich jedoch im Zuge der weiteren Ermittlungen herausstellen, dass "er Schuld auf sich geladen hat", werde sicherlich auch über politische Konsequenzen gesprochen werden. Jost: "Lichtenegger hat Vorbildwirkung."

Kärntner SP fodert Konsequenzen

Konsequenzen werden von der SPÖ-Kärnten gefordert, sollte auch die B-Probe positiv sein. "Sollte sich der Verdacht erhärten und auch die B-Probe Metaboliten enthalten, wäre Lichtenegger als Nationalrat untragbar", stellte Landesgeschäftsführer Herbert Würschl fest. "Es spielt dabei eigentlich keine Rolle, wie Lichtenegger die Substanzen zu sich genommen hat. Spitzensportler wissen ganz genau, was sie zu sich nehmen." Sollte daher auch auch die B-Probe positiv sein, so bedeute dies, dass Lichtenegger versucht haben könnte, sich mit illegalen Mitteln einen Vorteil zu verschaffen.

Negative Vorbildwirkung

"Besonders dramatisch" sieht der Kärntner SP-Geschäftsführer, dass Lichtenegger mit dem Vorfall eine negative Vorbildfunktion für Jugendliche haben könnte. Würschl: "Wenn Lichtenegger tatsächlich Nandrolon, in welcher Form auch immer, zu sich genommen hat und jetzt versucht, die Sache zu verharmlosen oder andere Sündenböcke zu finden, dann kann sich das auch direkt auf die Einstellung Jugendlicher zu Drogen auswirken."

Scheibner: Kein Anlass für Konsequenzen

Einen Anlass für Konsequenzen beim Sportler und Politiker sieht Scheibner daher nicht. Sehr wohl sollte aber geprüft werden, wie es zu der Verunreinigung bei der Zusatznahrung habe kommen können. Diese werde immerhin auch von Hobbysportlern verwendet.

Keinen Anlass für politische Konsequenzen sieht auch der Sportsprecher der Grünen, Dieter Brosz, wenn die Aussagen Lichteneggers zu der Affäre stimmen. Dies gelte auch, wenn es zu einer Sanktionierung auf sportlicher Seite kommen sollte, so Brosz. Sehr wohl müsse man aber gesundheits- und sportpolitische Konsequenzen ziehen und den "Wildwuchs" an Nahrungsergänzungen einzudämmen versuchen.

Brosz sagte, die Frage der Ergänzungsmittel, bei denen die Grenzen zum Doping fließend seien, würde im Parlament schon länger diskutiert. Man könne nun jedenfalls nicht einfach Lichtenegger den "schwarzen Peter" zuschieben.

"Rolle des Dopinglabors Seibersdorf untersuchen"

Zu hinterfragen sei in der Causa aber auch die "relativ merkwürdige Rolle" des Dopinglabors Seibersdorf. Wenn das von Lichtenegger eingenommene Mittel dort als unbedenklich eingestuft worden sei, sei Lichtenegger vermutlich nicht der einzige Sportler, der es verwendet habe.

Haupt von Unschuld überzeugt

FPÖ-Chef Vizekanzler Herbert Haupt steht voll hinter Elmar Lichtenegger. "Ich halte ihn für gescheit genug, dass er mit Doping nichts zu tun hat", erklärte Haupt am Sonntag gegenüber der APA. "Daher glaube ich auch, dass er unschuldig ist." Wer aber unschuldig sei, für den gebe es auch keinen Grund, Konsequenzen zu ziehen.

Dass Zusatznahrung schon mehrfach nicht in Ordnung war, sei "evident", betonte Haupt. Daher ist auch Haupt der Ansicht, dass jene Firmen unter die Lupe genommen werden solln, die diese Nachrungsmittel auf den Markt bringen. (APA)

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    F-Abgeordeter und Hürdensprinter Elmar Lichtenegger.

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