Scharfe Töne aus Teheran nach Festnahme von Ex-Botschafter

25. August 2003, 14:24
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Präsident Khatami fordert von London und Buenos Aires Entschuldigung

Teheran/London - Die iranische Führung hat mit großer Verärgerung auf die Inhaftierung ihres früheren Botschafters in Buenos Aires durch die britische Justiz reagiert. Aus Protest gegen die Festnahme von Hadi Soleimanpur, dem die argentinische Justiz Beteiligung an einem Bombenanschlag vorwirft, brach Teheran die Wirtschafts- und Kulturbeziehungen zu Argentinien ab. Dies berichteten iranische Medien am Sonntag. Der iranische Präsident Mohammed Khatami forderte sowohl von Großbritannien als auch Argentinien eine Entschuldigung für die Festnahme von Soleimanpur.

"Wir werden uns der argentinischen Regierung entschlossen und mit Nachdruck entgegenstellen, weil die grundlosen Anschuldigungen rein politisch motiviert sind und nur das Ziel verfolgen, den Iran weiter unter Druck zu setzen", sagte Khatami am Sonntag bei einem Besuch einer Gedenkstätte für Revolutionsführer Ayatollah Khomeini. London müsse der Angelegenheit sofort ein Ende bereiten. Der britische und der argentinische Geschäftsträger in Teheran seien einbestellt worden, fügte Khatami hinzu.

Keine politischen Partner mehr

Die reformorientierte Zeitung "Hambastegi" kommentierte, neben Buenos Aires haben auch London seine Glaubwürdigkeit verloren und könne nicht länger als politischer Partner angesehen werden. Das konservative Blatt "Kayhan" verlangte die Ausweisung des britischen Botschafters.

Soleimanpur sitzt in Großbritannien in Auslieferungshaft. Der 47-Jährige wird von der argentinischen Justiz beschuldigt, an der Planung und Ausführung des verheerenden Bombenanschlags auf ein jüdisches Kulturzentrum in Buenos Aires 1994 beteiligt gewesen zu sein. Dabei waren 85 Menschen getötet und etwa 200 verletzt worden.

Student für Islamische Studien

Der Ex-Diplomat war am Donnerstag auf Ersuchen der argentinischen Behörden in der nordenglischen Universitätsstadt Durham festgenommen worden. Dort war er als Student am Institut für Islamische Studien eingeschrieben. Der Iran steht seit Jahren im Verdacht, Auftraggeber des Anschlags gewesen zu sein. Die Regierung in Teheran hat dies jedoch immer wieder bestritten.

Soleimanpur muss am kommenden Freitag erneut vor dem Haftrichter in London erscheinen. Bei seiner ersten richterlichen Vernehmung hatte er keine Angaben gemacht. Laut Scotland-Yard-Ermittler Keith Richardson hatte Soleimanpur bei seiner Festnahme die Vorwürfe gegen ihn als "falsch" zurückgewiesen. Sein Anwalt, Michel Massih, sprach von einer "politischen Hetzkampagne" gegen seinen Mandanten. Die argentinischen Behörden wollten "alte Rechnungen begleichen". Wenn Soleimanpur wirklich schuldig wäre, hätte er nicht gewartet, "bis die Polizei an seine Tür klopft". (APA/dpa/Reuters)

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    Hadi Soleimanpur, Ex-Botschafter

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