Berufswahl braucht Zeit

25. August 2003, 00:00
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Mag.a Eva Egger vom Arbeitsmarktservice Wien rät im Interview den lehrstellensuchenden Mädchen Muße für ihre eigene Zukunft

dieStandard.at: Der Lehrstellenmarkt in Österreich ist momentan auf einem Tiefpunkt. Wie wirkt sich das auf die Chancen junger Mädchen aus?

Egger: Wir sehen speziell für Mädchen zwei Problemfelder: einerseits ist ihre Berfswahl bisher schon sehr eingeschränkt. Zwei Drittel finden sich in fünf Lehrberufen wieder. Bei den Männern liegt diese Zahl bei 33 Prozent. Wenn es eine Lehrstellenknappheit gibt, dehnt sich das auch auf die traditionellen Lehrberufe aus. Viele Mädchen wollen nach wie vor Friseurinnen werden oder ins Büro gehen, aber auch da wird es mit dem Angebot immer knapper.

Aber auch wenn sich Mädchen trauen, etwas anderes zu machen und in die sogenannten "zukunftsträchtige" Branchen gehen wollen, sind auch da die Chancen für sie rar.

dieStandard.at: Sie meinen speziell für Mädchen werden die Lehrstellen noch knapper?

Egger: Ja, immer noch gibt es von Betrieben viele Ressentiments gegenüber Mädchen, wenn sie einen nichtgängigen Beruf ergreifen wollen. Es erfordert einen hohen Begleitungsaufwand, dass Mädchen trotzdem genommen werden.

Im Osten Österreichs gibt es ein paar Mädchenberatungsstellen, die diesbezüglich sehr erfolgreich arbeiten. Aber leider nicht im ganzen Bundesgebiet.

dieStandard.at: Wirkt sich die momentane Lage ihrer Einschätzung nach auch direkt auf die Mädchen aus?

Egger: Ja, in Zeiten einer kränkelnden Konjunktur gehen die Mädchen auch auf Sicherheit und lassen sich weniger auf Neues, wie die Wahl eines technischen Lehrberufes, ein. Was auch noch in Betracht zu ziehen ist, ist dass es sehr wenige weibliche Vorbilder in nichttraditionellen Bereichen gibt, die mehr Sicherheit geben könnten.

dieStandard.at: Was würden Sie einem lehrstellensuchenden Mädchen raten?

Egger: Berufswahl braucht Zeit. Das ist ganz wichtig, sich darüber im Klaren zu sein. Dann würde ich raten, so viele Stellen wie möglich aufzusuchen: Mädchenberatungsstellen, die Berufsinformationszentren, die Geschäftsstellen des AMS. Außerdem viele Gespräche führen mit Personen, die nicht den klassischen Weg gegangen sind. Und mittlerweile gibt es etliche Informationen im Internet, Jobs 4 Girls zum Beispiel vom Wiener Frauenbüro oder Planet Work vom AMS, das in Kürze online gehen wird.

(e_mu)

  • Eva Egger aus der Frauenabteilung des Arbeitsmarktservices Österreich
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    Eva Egger aus der Frauenabteilung des Arbeitsmarktservices Österreich
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