Positiver Lichtenegger beteuert Unschuld

25. August 2003, 22:38
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Angeblich verunreinigtes Nahrungsmittel Schuld an positiver Doping-Probe - Bei Zweijahres-Sperre will Kärntner Karriere beenden

Wien - Der unter Dopingverdacht stehende österreichische Hürdensprinter und FPÖ-Abgeordnete Elmar Lichtenegger hat am Sonntag vehement seine Unschuld beteuert. "Ich habe nie etwas Unerlaubtes genommen", betonte der 29-Jährige gegenüber der APA. Beim Hallen-Vizeeuropameister waren am 6. Juni im Rahmen eines unangekündigten Doping-Tests in seinem Haus in Kärnten Metaboliten von Norandrosteron festgestellt worden, in der Folge wurde Lichtenegger vom Leichtathletik-Weltverband IAAF bis auf weiteres suspendiert. In der FPÖ glaubt man seiner Darstellung und sieht keinen Grund für politische Konsequenzen.

Verunreinigte Nahrungergänzung

2,0 Nanogramm pro Milliliter Urin ist der Grenzwert bei Männern für Norandrosteron, bei Frauen liegt er wegen der Hormonschwankungen (etwa durch die Anti-Baby-Pille) bei 5,0. Bei Lichtenegger wurden 5,4 gemessen. Schuld an der positiven Probe, die in Barcelona ausgewertet wurde, soll das von Lichtenegger verwendete Nahrungsergänzungsmittel Mega Ribosyn 1100 sein. Dieser zusätzliche Ernährungsstoff war vom Seibersdorfer Doping-Labor als unbedenklich eingestuft worden. Eine Lieferung des Produkts dürfte allerdings nicht den Normen entsprochen haben.

Lichtenegger hatte nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe eine noch versiegelte Dose von Mega Ribosyn 1100 nach Seibersdorf gebracht, die dort laut Karlheinz Demel, dem Chef des österreichischen Anti-Doping-Komitees, geöffnet, getestet (die dafür fälligen Kosten von 2.500 Euro übernahm Lichtenegger selbst) und für "verunreinigt" befunden wurde. Produkte aus früheren oder späteren Lieferungen wurden ebenfalls kontrolliert und als "sauber" eingestuft.

Chef des Anti-Doping-Komitees steht hinter Hürdensprinter

Aus diesem Grund stellte sich Demel auch hinter Lichtenegger. "Für mich wäre es eine Überspannung der Pflichten eines Sportlers, wenn er jedes Mittel, das offiziell zugelassen ist, noch einmal extra kontrollieren müsste", meinte Demel, der in diesem Zusammenhang generell ein entschiedenes Vorgehen des Gesundheitsministerium gegen verunreinigte Nahrungsmittelergänzungen forderte und weitere Doping-Fälle in Österreich nicht ausschloss, weil viele Spitzensportler dieses Präparat verwenden. Neben Demel bekam Lichtenegger in dieser Causa auch Rückendeckung von ÖOC- und Verbands-Arzt Univ. Prof. Dr. Alfred Engel.

Auf die Auswertung der B-Probe wollte Lichtenegger eigentlich verzichten, doch die IAAF bestand darauf. "Ich verstehe den Sinn nicht, warum soll das ein anderes Ergebnis bringen?", fragte sich Lichtenegger. Sollte die B-Probe wie erwartet ebenfalls positiv ausfallen, veranstaltet die IAAF ein Hearing, danach entscheidet das IAAF-Exekutiv-Komitee. Von einem Freispruch über eine Verwarnung, Teilschuld oder einer Sperre bis zu zwei Jahren ist alles möglich. Gegen das Urteil, das erst in einigen Monaten erwartet wird, kann beim Sportgerichtshof in Lausanne Einspruch erhoben werden.

Karriereende bei Sperre

Lichtenegger hofft auf einen für ihn positiven Ausgang des Verfahrens. "Die Fakten liegen mehr als auf dem Tisch, ich bin unschuldig. Ich würde solche Sachen nie nehmen, denn ich bin keiner, der sein letztes Hemd hergibt, um Erfolg zu haben. Dafür ist mir meine Gesundheit zu wichtig", erklärte der Kärntner, der seine Teilnahme an den derzeit stattfindenden Weltmeisterschaften wegen einer Leistenverletzung abgesagt hatte. Über seine persönlichen sportlichen Konsequenzen im Falle einer Sperre von zwei Jahren ist sich der 29-Jährige aber schon jetzt im Klaren. "Das wäre dann mein Karriereende, dann will ich mit dieser Sportart überhaupt nichts mehr zu tun haben." Doch auch bei einem Freispruch wäre für ihn nichts mehr wie früher: "In so einem Fall bleibt immer etwas an dir hängen, das kriegst du nie mehr weg."

Als Abgeordneter sieht Lichtenegger, Sport- und Jugendsprecher der Freiheitlichen im Nationalrat, keinen Grund für allfällige Folgen. "Ich denke über Konsequenzen überhaupt nicht nach, weil ich mich nicht schuldig fühle." Sehr wohl aber wolle er sich "massiv gegen Firmen einbringen, welche solche Produkte auf den Markt bringen": "Sie sind für Jedermann erhältlich, das ist die eigentliche Sauerei. Denn viele Hobbysportler und Jugendliche verwenden Mega Ribosyn 1100."

Keine politischen Konsequenzen

Die Parteispitze - Obmann Herbert Haupt, Klubchef Herbert Scheibner und Sportstaatssekretär Karl Schweitzer - stellte sich hinter ihren Abgeordneten. "Ich halte ihn für gescheit genug, dass er mit Doping nichts zu tun hat", sagte etwa Haupt. "Daher glaube ich auch, dass er unschuldig ist." Auch Dieter Brosz, Sportsprecher der Grünen, sieht keine Notwendigkeit für einen Rücktritt, sollte die Darstellung Lichteneggers stimmen. Für die SPÖ-Kärnten hingegen hat Landesgeschäftsführer Herbert Würschl Konsequenzen gefordert, sollte auch die B-Probe positiv sein. Wie Lichtenegger die Substanzen zu sich genommen habe, spiele dabei keine Rolle. (APA)

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    Lichtenegger positiv durch Nahrungsergänzung?

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