Afghanistan: 23 Tote bei neuen Gefechten

25. August 2003, 13:04
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Mutmaßliche Taliban greifen Regierungssoldaten an - Reorganisation der Taliban befürchtet

Kabul - Bei neuen Gefechten im Süden Afghanistans sind bis zu 16 Regierungssoldaten und sieben mutmaßliche Taliban-Kämpfer getötet worden. In der Provinz Sabul griffen Kämpfer am Samstag einen Militärlastwagen an und töteten fünf Soldaten, wie Gouverneur Hafisullah Khan am Sonntag bestätigte. Ein Taliban-Vertreter sprach von zwölf toten Regierungssoldaten. Bereits zuvor waren in der Provinz Urusgan je vier Soldaten und vier Taliban-Kämpfer getötet worden.

Bei dem Gefecht im Bezirk Dai Tschupan in Sabul wurden laut Khan auch drei Taliban-Anhänger getötet. Taliban-Sprecher Mohammed Hanif erklärte hingegen, auf Seiten der Miliz habe es keine Opfer gegeben. Die Kämpfer hätten 17 Maschinengewehre aus dem Lastwagen entwendet und die Leichen der Soldaten zurückgelassen. Geleitet habe den Angriff ein ehemaliger Taliban-Befehlshaber in der Grenzregion Spinboldak, Abdul Rahim. Rahim wird von der afghanischen Regierung gesucht. Hanif ist der Sprecher des ebenfalls gesuchten Taliban-Kommandanten Mullah Dadullah, der vermutlich mit Rahim zusammenarbeitet.

Vierstündiges Gefecht

Der Kampf in Urusgan dauerte vier Stunden, wie die afghanischen Behörden mitteilten. 13 Kämpfer seien gefangenen genommen worden. In dem Gebiet hielten sich nach Angaben eines Behördensprechers rund 300 Kämpfer auf, die sich dann weiter in die Berge zurückgezogen hätten. Hanif sagte der Nachrichtenagentur AP über Satellitentelefon, bei den Kämpfen seien 30 Regierungssoldaten getötet worden. Ihre Leichen seien nach Verhandlungen Dorfältesten übergeben worden. Zehn Soldaten seien gefangen genommen worden. Der Gouverneur von Urusgan, Mohammed Khan, dementierte diese Angaben.

Die Ende 2001 gestürzten Taliban scheinen sich reorganisiert zu haben. Kommandant Dadullah soll dabei von Taliban-Führer Mullah Omar zum Kommandanten für Urusgan ernannt worden sein. Dadullah wurde von Augenzeugen auch als derjenige identifiziert, der die Ermordung des Rot-Kreuz-Mitarbeiters Ricardo Munguia in der Provinz Helmand anordnete. Er soll sich im pakistanischen Stammesgebiet aufhalten.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul wurden zwei Kinder bei der Explosion einer Tretmine getötet. Wie die Polizei am Samstag mitteilte, hatten die neun und zehn Jahre alten Kinder in der zerstörten Altstadt von Kabul, die ein Frontgebiet war, Schrott gesammelt und waren dabei auf die Mine getreten. (APA/AP)

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