Bremer: "Irak ist neues Schlachtfeld im Anti-Terrorismus-Kampf"

24. August 2003, 18:21
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Untersuchung des jüngsten Anschlags können laut US-Zivilverwalter noch Wochen dauern

Bagdad - Der Irak ist nach den Worten von US-Zivilverwalter Paul Bremer zu einem neuen Schlachtfeld im weltweiten Kampf gegen den Terrorismus geworden. Die Anschläge auf die jordanische Botschaft und das UN-Hauptquartier in Bagdad seien von Terroristen begangen worden, sagte Bremer am Samstag in Bagdad. Die Untersuchungen könnten noch Wochen dauern und für Schlussfolgerungen oder Spekulationen sei es noch zu früh.

Drei Hypothesen

Nach den Worten Bremers folgen die Ermittler drei Hypothesen. Danach könnten die Anschläge entweder von ausländischen Terroristen oder von Mitgliedern des früheren Regimes oder in Zusammenarbeit beider Gruppen begangen worden sein.

Bremer will Sicherheitsproblem nie verschwiegen haben

Bremer sagte weiter, er habe niemals verschwiegen, dass es ein Sicherheitsproblem im Irak gebe. Die meisten Angriffe gegen die alliierten Truppen passierten aber in einem kleinen Teil des Landes. Die irakischen Sicherheitskräfte sollten künftig eine größere Rolle spielen. Derzeit seien rund 50 000 Iraker bei der Polizei, der Grenzpolizei sowie der Landesverteidigung beschäftigt, sagte Bremer. Die Grenzpolizei solle von derzeit 2500 Mitarbeitern auf 25 000 im kommenden Jahr ausgeweitet werden.

Bremer erklärte die Bereitschaft der alliierten Streitkräfte, die festgenommene Führungselite des Regimes von Ex-Präsident Saddam Hussein an ein Tribunal im Irak zu überstellen und dort anklagen zu lassen. Derzeit arbeite eine Arbeitsgruppe des provisorischen Übergangsrates die entsprechenden Grundlagen für einen solchen Gerichtshof aus.

US-Regierung: Kämpfer kommen auch über saudische Grenze in den Irak

Militante ausländische Kämpfer gegen die US-Besatzungsmacht kommen nach Erkenntnissen der US-Regierung nicht nur aus Syrien oder Iran in den Irak, sondern auch über die saudi-rabische Grenze. Das lasse sich aus der Gefangennahme verschiedener dieser Personen ableiten, sagte US-Vizeaußenminister Richard Armitage am Freitag in einem Fernsehinterview.

Es sei nicht an ihm zu unterstellen, dass die Regierungen des Iran, Syriens oder Saudiarabiens in irgendeiner Weise verantwortlich seien, fuhr Armitage fort. "Aber als Minimum kann ich sagen, dass diese Kämpfer nicht an den Grenzen gestoppt werden, und das macht uns große Sorgen." Nach Angaben von Beobachtern ist es das erste Mal, dass die US-Regierung auch die saudische Grenze als Problem genannt hat.

US-Präsident George W. Bush erklärte ebenfalls am Freitag, ausländische "Elemente vom Typ der El Kaida" kämen in den Irak, "um gegen uns zu kämpfen, weil sie den Gedanken an eine freie Gesellschaft im Nahen Osten nicht ertragen können". Der Irak entpuppe sich als "fortdauernde Schlacht im Krieg gegen den Terrorismus", sagte Bush während eines Besuches in Seattle (Bundesstaat Washington).

Der Präsident bekräftigte, dass die USA mehr ausländische Truppen im Irak benötigten und sie willkommen heißen würden. "Und es wird dort mehr ausländische Truppen geben", sagte Bush voraus. Das könnte die Fähigkeit zum Schutz der irakischen Infrastruktur erhöhen und amerikanische Kräfte freisetzen, um gegen Feinde im Land zu kämpfen und nach noch flüchtigen Mitgliedern des alten Regimes von Saddam Hussein zu jagen.(APA/dpa)

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    Der US-Zivilverwalter für den Irak Paul Bremer.

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