Affäre "Telekom Serbia": Vorwürfe auch gegen Italiens Oppositionschef

28. August 2003, 14:24
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Umstrittener italienischer Geschäftsmann Marini beschuldigt auch Stadtoberhaupt von Rom

Schmiergelder, die angeblich im Zusammenhang mit dem Kauf eines 30-prozentigen Aktienpakets der Telekom Serbia durch die Telecom Italia im Jahr 1997 gezahlt wurden, sollen auch an den italienischen Oppositionschef Francesco Rutelli und an den Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni, geflossen sein.

Dies berichtete nach Angaben italienischer Medien vom Freitag der skandalumwitterte italienische Geschäftsmann Igor Marini, der sich als Kronzeuge in der Korruptionsaffäre um die Firma Telekom Serbia in Turin in Haft befindet.

Schmiergeld

Marini, der am 8. Mai in der Schweiz wegen mutmaßlicher Geldwäscherei festgenommen worden war, wird dieser Tage von den Turiner Ermittlern vernommen, welche die Untersuchung um den angeblichen Schmiergeldskandal leiten. Laut Marini hätten Veltroni und Rutelli Schmiergelder zur Finanzierung ihrer Wahlkampagne erhalten.

In den vergangenen Wochen hatte Marini seine Vorwürfe gegen EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, der 1997 italienischer Ministerpräsident war, erneuert. Marini, der Ende vergangenen Monats von den Schweizer Justizbehörden nach Italien ausgeliefert worden war, hatte erneut betont, dass der damalige Premier Prodi Schmiergelder im Zusammenhang mit der Übernahme der Beteiligung an der Telekom Serbia kassiert habe. Marini hatte auch Ex-Außenminister Lamberto Dini belastet, der derzeit als Vertreter der italienischen Opposition im EU-Konvent sitzt, sowie den damaligen Minister für Außenhandel, Piero Fassino, zur Zeit Vorsitzender der Linksdemokraten (DS, stärkste Oppositionspartei).

Schwere Anschuldigungen

Prodi, Dini und Fassino hätten Schmiergelder in der Höhe von 225 Millionen Dollar (198 Mill. Euro) kassiert. 100 Millionen Dollar, die für Prodi bestimmt waren, und 50 Millionen Dollar für Fassino seien auf österreichischen Bankkonten gelandet, hatte Marini berichtet. Die restliche Summe, die Dini zugeschanzt worden sei, sei auf ein Bankkonto im Libanon überwiesen worden, erklärte der Geschäftsmann, der auch Dinis Ehefrau Donatella, eine angesehene Unternehmerin, belastete.

In Italien wird an der Glaubwürdigkeit Marinis stark gezweifelt. Der Geschäftsmann mit einer Vergangenheit als Schauspieler in zweitrangigen Filmen sei öfters in Betrugsfälle verwickelt gewesen, berichteten italienische Medien. Marini wurde von Dini wegen Verleumdung angezeigt.(APA)

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