Europa unattraktiv für Forscher

14. Oktober 2003, 20:03
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Massive Investitionen in neue Technologien, sowohl hard- als auch softwareseitig, sind notwendig, um im Wettbewerb der Forschung zu bestehen

Alpbach - Wäre Josef Penninger, Chef des neu gegründeten Instituts für Molekulare Biologie der Akademie der Wissenschaften in Wien, Politiker, würde er "massiv in neue Technologien investieren, weil damit in Zukunft unsere Pensionen bezahlt werden". Den Entschluss, seine wissenschaftliche Karriere in Kanada zu beenden und nach Österreich zu kommen, begründete der Star-Forscher mit den Möglichkeiten, die ihm mit dem Aufbau des neuen Instituts in Wien geboten wurden.

Die finanzielle Basis dafür dürfte allerdings noch nicht wirklich stabil sein, noch fehlten ausreichende Mittel, hört man in der Forschungsszene. "Das ist ein Wahnsinn", sagt ein Ratsmitglied, "Österreich bekommt so einen guten Mann und ist nicht im Stande, das Geld dafür aufzutreiben."

Und: Zum Wettbewerb der besten Köpfe kommt nun jener der Standorte. Europa könne gegen USA und Japan nur gewinnen, wenn es Forschung und Entwicklung betreibe, so der Chef des Forschungsrats, Knut Consemüller; "Der sicherste Weg, die Zukunft zu verlieren, ist, Bildung und Forschung nicht zu beachten". Strukturdiskussionen allein führten zu nichts.

Was einen guten Standort auszeichnet? Eine leistungsfähige, multimodale Netzinfrastruktur für Verkehr, Kommunikation und Wissenstransfer - ein weiterer Schwerpunkt der Technologiegespräche. Auch hier täte Erneuerung Not, denn ohne flächendeckende Breitbandverkabelung bleibt internationale Vernetzung Stückwerk. Die Beratungsfirma Kreutzer, Fischer & Partner schätzte im Auftrag der Telekom Austria, dass die Erweiterung der Netze für Wasser, Energie und Telekommunikation 15 Mrd. Euro kosten würde. Das entspricht einem Fünftel des derzeitigen Gesamtwerts des Leitungsnetzes. Derzeit seien die Investitionen rückläufig - von 3,7 auf 3,3 Mrd. Euro in zwei Jahren.

Risikoscheue Firmen

Der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Georg Wick, ortet zudem einen Mangel an risikoorientierten Firmen, die in junge Forscher investieren, Seibersdorf-Chef Erich Gornik vermisst den Mut zur Neugründung großer, ambitionierter Institutionen, die an der Spitze der Forschung mitmischen können. (ung/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24. 8. 2003)

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