"Conan, der Betrüger"

27. August 2003, 08:47
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Breite mediale Front gegen Schwarzeneggers Wirtschaftsprogramm - Hollywood-Schauspieler wollen Kampf gegen Arnie aufnehmen

Los Angeles/Wien - Kaum hatte Arnold Schwarzenegger seine Pläne vorgestellt, mit denen er den US-Bundesstaat Kalifornien als Gouverneur sanieren will, regt sich harscher Widerstand. Zahlreiche demokratische US-Schauspieler wollen den Republikaner Schwarzenegger als Gouverneur verhindern. Der Schauspieler Woody Harrelson werde gemeinsam mit seinen Kollegen wie Susan Sarandon, Martin Sheen, Tom Hanks und Barbra Streisand den "Kampf" gegen Schwarzenegger aufnehmen, so das Boulevardblatt New York Post.

Auch im San Francisco Cronicle bekommt der Austro-Amerikaner sein Fett weg. "Arnie" betrachte die Wahl in Kalifornien als "feindliche Übernahme", nicht als demokratischen Urnengang. Besonders Schwarzeneggers Wirtschaftspläne werden verhöhnt: Er wolle viel ändern, ohne genau zu wissen, was, wird ihm vorgeworfen.

Die Chicago Tribune schlägt in dieselbe Kerbe. Wie er die Finanzen Kaliforniens sanieren wolle, ohne Steuern zu erhöhen oder schmerzliche Einschnitte bei den Ausgaben zu machen, fragt die Zeitung und traut Schwarzenegger keine Lösungskompetenz zu.

Auch die Los Angeles Times erregt sich über Schwarzeneggers Weigerung, detaillierte Einsparungspläne bereits vor der Wahl am 7. Oktober bekannt zu geben. Dafür werden ausgiebig die eher schlichten Wortspenden des Hollywood-Stars zitiert: "I will take action". Außerdem sei er ein Fan der amerikanischen Latino-Gemeinde: Er habe schließlich vier Filme in Mexiko gedreht.

Die Washington Post mokiert sich ein wenig darüber, dass der Actionstar den Bundesstaat so führen wolle, wie er seine Kinder erziehe. "Gebt kein Geld aus, das ihr nicht habt", habe er seinen Kindern eingebläut, nun solle auch der Staat so verfahren, wird "Arnie" im Blatt zitiert.

Das noble Wallstreet Journal wiederum suchte nach "spezifischen Aussagen" Schwarzeneggers zu seinen Zukunftsplänen, fand aber keine. Immerhin gesteht die Zeitung Schwarzenegger zu, dass er in der Wählergunst dank seines Berufes vorne liege.

Die schwersten Prügel bezog Schwarzenegger von der honorigen New York Times (NYT), die dem Schauspieler traditionell kritisch gegenüber steht. Unter dem Titel "Conan the Deceiver" ("Conan, der Betrüger") werden ihm in Anspielung auf einen seiner Filmtitel, "True Lies" ("Wahre Lügen"), vorgeworfen. Die Frage wird gestellt, ob man ihn für seine Worte verantwortlich machen kann. Seine Ankündigungen werden zerpflückt und das Gegenteil davon mit Fakten belegt. Dem Star seien wohl seine Steroide zu Kopf gestiegen.(Gerhard Plott/DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.8.2003)

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    Ob "Conan der Barbar" von der öffentlichen Kritik wohl begeistert ist...?

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