Salafisten-Gruppe bekennt sich zu Entführung der 32 europäischen Sahara-Urlauber

25. September 2003, 17:18
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Sicherheitsexperten halten Täterschaft der GSPC für erwiesen

Algier/Berlin - Die islamistische Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) hat sich zu der Entführung der 32 europäischen Sahara-Urlauber in Algerien bekannt. Dies geht aus einer Erklärung der Nummer zwei der Gruppe, Amari Saifi, hervor, welche die algerische Zeitung "El Khabar" in ihrer Samstagsausgabe veröffentlicht. Für die Befreiung der Sahara-Geiseln soll Libyen nach Angaben von Diplomaten in Mali ein Lösegeld von fünf Millionen Euro gezahlt haben. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte dazu in Berlin, die Bundesregierung beteilige sich nicht an "Spekulationen".

Zeitung: "Authentische" Erklärung

Die algerische Zeitung bewertete die auf den vergangenen Montag datierte Erklärung als "authentisch". Die verbliebenen 14 europäischen Geiseln seien am Montag um 06.45 Uhr MESZ "wohlbehalten auf Anfrage einer Gruppe und durch die Vermittlung von Stammesältesten der Region" freigekommen, heißt es darin. Die Erklärung beziehe sich offenkundig auf die Vermittlungen von nordmalischen Tuareg-Führern in der Region, berichtete die Zeitung weiter. Unklar bleibe allerdings, wer mit der erwähnten "Gruppe" gemeint sei.

Erste frei gekommene Gruppe "von den Mujaheddin freigelassen"

Laut der Erklärung Saifis wurde die erste im Mai frei gekommene Gruppe von 17 Touristen nicht von der algerischen Armee befreit, sondern "von den Mujaheddin freigelassen", womit GSPC-Kämpfer gemeint sein sollen. Die algerische Armee habe zunächst "alles ihr Mögliche getan, um unter dem Vorwand von Befreiungsbemühungen die Gruppe einschließlich der Touristen zu vernichten". Danach habe die Armee dann vorgegeben, die Mujaheddin "aus Sorge um das Leben der Touristen" über die malische Grenze ziehen zu lassen.

Kein Zweifel

Auch deutsche Sicherheitsexperten haben keinen Zweifel an der Täterschaft der GSPC. Ein Beweis befinde sich unter anderem auf den Videobotschaften der Geiseln, die den deutschen Behörden übergeben worden waren, sagte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter der "Berliner Zeitung" (Freitagsausgabe). So seien auf den Bändern nicht nur die Geiseln, sondern auch einige Entführer zu erkennen gewesen, die eindeutig als Mitglieder der GSPC identifiziert worden seien.

Die GSPC ging aus dem Bürgerkrieg in Algerien als schlagkräftigste islamistische Kampftruppe hervor. Der deutsche Bundesverfassungsschutz beobachtet die Gruppe, deren Anhänger nach Angaben von Sicherheitsexperten Deutschland als Rückzugsraum und logistische Basis für ihre Aktivitäten in Algerien nutzen. Laut Verfassungsschutz verfolgt die GSPC seit mehreren Jahren das Ziel, "die algerische Regierung mit terroristischen Mitteln zu stürzen, um einen islamistischen Staat einzurichten".

In der Erklärung Saifis werden dem Bericht zufolge weder etwaige libysche Vermittlungsbemühungen noch eine mögliche Lösegeld-Zahlung erwähnt. Diplomaten in der malischen Hauptstadt Bamako hatten am Donnerstag gesagt, Libyen habe den Betrag von fünf Millionen Euro "aus eigener Initiative" für die Freilassung der 14 Entführten bereit gestellt. Der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi habe der Zahlung zugestimmt, um "seine Rechnungen zu begleichen" und "internationale Anerkennung" zu bekommen. (APA)

Nach sechsmonatiger Geiselhaft waren die letzten 14 entführten Urlauber in Mali freigelassen worden und am Mittwoch wohlbehalten nach Hause zurückgekehrt, unter ihnen neun Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer. Insgesamt waren im Februar und März 32 europäische Urlauber in der Sahara entführt worden, unter ihnen zehn Österreicher.
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