Sprechende Busse gegen surfende Fußgänger

7. Mai 2014, 12:09
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Maßnahmen gegen immer mehr Unfälle mit abgelenkten Passanten

Fußgänger, die ihre Augen auf ihr Handy oder Smartphone gerichtet haben statt beim Überqueren von Fahrbahnen auf den Verkehr zu achten, werden in den USA zum Problem. Nach einer massiven Zunahme von Unfällen hat sich das Verkehrsministerium des Themas angenommen und experimentiert in Portland, Oregon, mit sprechenden Bussen.

"Fußgänger, der Bus biegt ab"

Seit März wurden 45 Busse des lokalen Verkehrsbundes TriMet mit unterschiedlichen Warnsystemen ausgestattet. "Wir wollen prüfen, wie man Fußgänger am besten warnt, insbesondere beim Abbiegen des Busses", sagt Harry Saporta, Sicherheitsbeauftragter von TriMet. Aus Lautsprechern, die an den Bussen installiert wurden, ertönen Sätze wie: "Fußgänger, der Bus biegt ab". Getestet werden sechs Monate lang auch visuelle Warnsignale wie das Aufleuchten von LED-Lichtern am Bus.

Neun von zehn US-Bürgern besitzen mittlerweile ein Handy. Mehr als zwei Drittel von ihnen kontrollieren einer Studie des Pew Research Centers zufolge regelmäßig ihr Telefon auf Neuigkeiten, selbst wenn es weder läutet noch vibriert - und das sogar mitten auf der Straße. Forscher der University of Washington beobachteten im Jahr 2012 in Seattle mehrere Straßenkreuzungen. Ergebnis: Mehr als 15 Prozent der über 1.100 erfassten Passanten waren mit ihrem Handy beschäftigt, während sie über eine viel befahrene Kreuzung gingen.

Verkehrsunfälle mehr als verdoppelt

"Abgelenktes Gehen ist im Prinzip das gleiche wie abgelenktes Autofahren. Und beides nimmt derzeit zu", sagte Jack Nasar von der Ohio State University. Der Stadtplaner ermittelte im vergangenen Jahr, dass sich der Anteil von Fußgängerunfällen, die auf die Handy-Nutzung zurückgehen, von 2005 bis 2010 mehr als verdoppelt hat. Demnach mussten 2010 über 1.500 Passanten ins Krankenhaus, nachdem sie beim Gehen auf ihrem Handy getippt oder telefoniert hatten.

Initiativen, die "abgelenktes Gehen" ("distracted walking") generell unter Strafe stellen wollen, sind bisher mehrheitlich gescheitert. So zum Beispiel im Bundesstaat Utah, wo der Verkehrsbetrieb einen 50-Dollar-Strafzettel für Passanten forderte, die in der Nähe von Bahngleisen SMS schreiben, telefonieren oder Kopfhörer tragen. Das Parlament von Utah stimmte 2012 gegen den Vorschlag. "Das schießt über das Ziel hinaus, und schon bald haben wir für alles ein Gesetz, was wir in der Gesellschaft tun", sagte der republikanische Abgeordnete Val Peterson der Zeitung "Salt Lake City Tribune".

Mindestens eine Stadt schaffte es dennoch, ein entsprechendes Gesetz durchzubringen: In Rexburg im Bundesstaat Idaho ist das SMS-Schreiben auf Straßenkreuzungen oder Zebrastreifen im Jahr 2011 verboten worden - wer dagegen verstößt, muss rund 100 Dollar (72 Euro) Strafe zahlen. (APA, 7.5.2014)

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