Prozess in Wien: Drei Monate für teure Zigarette

8. Mai 2014, 09:35
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Ein 37-Jähriger soll mit einer brennenden Zigarette auf der Couch eingeschlafen sein und einen Brand ausgelöst haben. In seinem ersten Verfahren bekam er dafür einen Monat bedingt - dennoch ging er in Berufung

Wien - Rauchen kann nicht nur Ihre Gesundheit gefährden, sondern mitunter auch das Geldbörsel. Wenn man nämlich mit einer brennenden Zigarette einschläft und diese einen Brand auslöst, der ein Wohnhaus ziemlich ramponiert zurücklässt.

Johann M. soll das im Jahr 2012 in Wien-Ottakring passiert sein, der Schaden betrug mehr als 100.000 Euro. Das Bezirksgericht Hernals verurteilte den 37-jährigen Unbescholtenen zu einem Monat bedingt - eine Entscheidung, die man eigentlich mit Handkuss annehmen sollte. M. sah das anders - und legte Berufung ein.

Ein Dreiersenat der Berufungsabteilung unter Vorsitz von Henriette Braitenberg-Zennenberg muss am Landesgericht daher über die "fahrlässige Herbeiführung einer Feuersbrunst" entscheiden.

Früher starker Raucher

Wie schon bei der ersten Verhandlung leugnet der Angeklagte. Er sei zwar früher ein starker Raucher gewesen, zum Zeitpunkt des Vorfalls hatte er den Nikotinkonsum allerdings schon eingestellt. Der Brand in seiner Wohnung habe also eine andere Ursache haben müssen.

Interessanterweise hörten unmittelbar nach dem Brand mehrere Zeugen, wie M. zugab, mit der brennenden Zigarette eingeschlafen zu sein. Und in seiner Wohnung wurden sowohl Zigaretten als auch Aschenbecher gefunden.

Verteidiger Franz Karl Juracka kritisiert noch einen weiteren Punkt. Der Sachverständige im ersten Prozess sei kein Experte für Brandursachenfeststellung gewesen. Und er bezog sich in seinem Gutachten auch auf das eines Kollegen - der allerdings in der Causa zuvor schon ein Privatgutachten für die Versicherung erstellt hatte.

Generalpräventive Gründe

Die Staatsanwältin hat damit keine Probleme, sehr wohl aber mit der Strafhöhe. Ein Monat sei nur ein Zwölftel des möglichen Strafrahmens, das sei aus generalpräventiven Gründen viel zu wenig.

Nach kurzer Beratung folgt der Senat dieser Meinung. Die Berufung M.s wird verworfen, jener der Anklagebehörde dagegen stattgegeben, die Strafe von einem auf drei Monate bedingt erhöht.

"Wir haben keinen Zweifel, dass das Sachverständigengutachten korrekt war, vor allem war es aber auch nicht das einzige Beweismittel", führt Braitenberg-Zennenberg aus. Die Zeugenaussagen und die Zigaretten seien ebenso belastend. "Dass es eine andere Brandquelle gab, ist eine Fiktion", stellt die Vorsitzende fest.

Nicht im Strafregisterauszug

Die höhere Strafe sei nicht nur general-, sondern auch spezialpräventiv nötig, da M. noch immer leugne. Allerdings hat die Vorsitzende für den Angeklagten noch eine gute Nachricht: Auch die drei Monate scheinen in der Strafregisterauskunft nicht auf. (Michael Möseneder, derStandard.at, 8.5.2014)

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