Iranische Zensur will Whatsapp wegen "jüdischen Besitzers" verbieten

7. Mai 2014, 09:18
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Mark Zuckerberg sei ein "Zionist", so die iranische Zensurbehörde - Kommunikationsminister protestiert

Internationalen Medienberichten zufolge hat das iranische "Komitee für kriminelle Internetinhalte" den populären Kurznachrichtendienst Whatsapp verboten. Grund dafür sei die Übernahme durch Facebook und dessen Chef Mark Zuckerberg, der ein "amerikanischer Zionist" sei.

Dass auch Whatsapp-Gründer Jan Koum jüdischer Herkunft ist, hatte die iranischen Zensurbehörden bislang allerdings nicht gestört oder wurde übersehen. Koum floh 1992 mit seiner Mutter in die USA, weil sich die Familie in der Ukraine von antisemitischen Gruppen verfolgt fühlte.

Vorwand

Die antisemitische Argumentation der iranischen Zensurbehörden wird daher von einigen Beobachtern als ein Vorwand gesehen, um das beliebte Kommunikationsmittel Whatsapp zu bannen. Das vermutet auch ein iranischer Blogger, der von Business Insider zitiert wird: "Die Revolutionsgarden sehen diese Seiten als große Bedrohung, da junge Menschen sich darauf austauschen."

Machtkämpfe in Regierung

Die Aktion stößt jedoch auch innerhalb der iranischen Regierung auf heftige Kritik: Kommunikationsminister Mahmoud Mehr hat sich in einem auf Englisch verfassten Tweet gegen die Blockade ausgesprochen. Laut einem aktuellen Bericht der Washington Post funktioniert Whatsapp im Iran noch immer, scheinbar hat die Zensurbehörde nicht die erforderlichen Befugnisse, um den Bann in die Tat umzusetzen.

Die neue Regierung unter Hassan Rouhani gab sich bislang als Gegenpol zum früheren Präsidenten Ahmadinejad, der mit judenfeindlichen Äußerungen auffiel. Zusätzlich forderte Rouhani laut Cnet erst letzten September, iranische Minister sollten sich auf Facebook anmelden. Der Kultusminister wollte erst vor einigen Wochen Internetzensur lockern.

Andere Dienste gesperrt

Für die allgemeine Bevölkerung war Facebook allerdings seit den Protesten der Opposition 2009 gesperrt. Der chinesische Dienst Wechat war seit Dezember nicht erreichbar, so die israelische Haaretz, die als Erste von der Whatsapp-Sperre berichtete. Über andere Applikationen wie Viber Tango und Instagram, das auch zu Facebook gehört, sei noch keine Entscheidung gefallen, so der zuständige Zensor.

Iraner umgehen Sperren

Viele Iraner umgehen die Netzsperren regelmäßig mit Proxys, weniger techaffine Bevölkerungsmitglieder sind dazu jedoch nicht in der Lage. Facebook hat zu der Causa noch keinen Kommentar abgegeben. (Fabian Schmid, derStandard.at, 7.5.2014)

Update: Laut neuesten Medienberichten hat der iranische Präsident Rouhani ein Veto gegen die Pläne der Zensurbehörde eingelegt.

  • Whatsapp wird im Iran immer beliebter, jetzt wird es wegen "zionistischen Eigentümers" verboten.
    foto: reuters/langdon

    Whatsapp wird im Iran immer beliebter, jetzt wird es wegen "zionistischen Eigentümers" verboten.

  • Der iranische Kommunikationsminister Mehr sprach sich auf Twitter gegen eine Sperre aus.
    foto: reuters/gea

    Der iranische Kommunikationsminister Mehr sprach sich auf Twitter gegen eine Sperre aus.

  • Whatsapp-Gründer Jan Koum floh selbst vor Antisemitismus aus der Ukraine.
    foto: reuters/gea

    Whatsapp-Gründer Jan Koum floh selbst vor Antisemitismus aus der Ukraine.

  • Facebook-Gründer Mark Zuckerbergs jüdische Herkunft muss als Argument für den Bann einer beliebten App herhalten.
    foto: reuters/gea

    Facebook-Gründer Mark Zuckerbergs jüdische Herkunft muss als Argument für den Bann einer beliebten App herhalten.

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