Soda Designers: "Über Geschmack zu streiten bringt nichts"

8. Mai 2014, 17:56
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Das Designerduo über das schönste Haus der Welt, das Image von Designern und den nervigsten Gegenstand

STANDARD: Wohnen Designer anders?

Horner: Theoretisch schon, in der Praxis eher nicht.
Nasrallah: Ich denke, Designer wohnen experimenteller.

STANDARD: Welcher ist der größte Fehler, den man beim Einrichten einer Wohnung begehen kann?

Horner: Sich zu sehr von der Meinung anderer beeinflussen zu lassen.
Nasrallah: Es ist ein großer Fehler, der Lichtsituation zu wenig Aufmerksamkeit zu schenken.

STANDARD: Probieren Sie Ihre Entwürfe privat aus, bevor sie in Produktion gehen?

Horner: Wir sind sozusagen umgeben von Prototypen. Objekte, die nicht in Produktion gehen, bleiben für immer bei uns.

STANDARD: Das schönste Haus der Welt ist?

Horner: Das Schneckenhaus.
Nasrallah: Für mich ist es das Baumhaus.

STANDARD: Kann man über Geschmack streiten?

Horner: Kann man schon, bringt aber nichts.

STANDARD: Kann man guten Geschmack lernen?

Horner: Das glaube ich nicht, aber man kann ihn zumindest verfeinern.

STANDARD: Glauben Sie, dass Objekte eine Seele haben?

Horner: Natürlich nicht. Wir sind es, die diese hineininterpretieren.
Nasrallah: Manchmal trägt ein Objekt die Seele seines Erfinders in sich.

STANDARD: Wie würden Sie den Stil Ihres Zuhauses beschreiben?

Nasrallah: Bei uns schaut es nach einem Mix aus, und experimentell.

STANDARD: Das beste Möbel der Welt ist?

Beide: Der Stuhl, weil er dem Menschen einfach am nächsten ist und man ihn immer braucht.

STANDARD: Was war die Initialzündung für den Wunsch, Designer zu werden?

Horner: Das war die Möbeldesignszene in Berlin während der 1980er-Jahre.
Nasrallah: Bei mir hat sich das langsam entwickelt.

STANDARD: Wie schätzen Sie das Image des Designers in Österreich ein?

Horner: Das ist international gesehen noch recht undefiniert und wird immer noch stark mit kunsthandwerklichen Traditionen in Verbindung gebracht, was aber durchaus als Qualitätsmerkmal betrachtet wird.

STANDARD: Sie lernten sich während Ihres Studiums bei Ron Arad an der Universität für angewandte Kunst kennen. Bei wem würden Sie heute gern in die Lehre gehen?

Beide: Bei jemandem, der in einer anderen Dimension arbeitet, zum Beispiel bei einem guten Architekten oder Bildhauer.

STANDARD: Was halten Sie von Einrichtungsberatung?

Nasrallah: Da ist noch einiges an Entwicklungspotenzial vorhanden.
Horner: Einrichtungsberatung ist durchaus sinnvoll, solange respektvoll mit dem Geschmack und Bedürfnissen des Kunden umgegangen wird.

STANDARD: Was würden Sie niemals designen?

Beide: Waffen und Gemüse.

STANDARD: Woran arbeiten Sie im Moment?

Nasrallah: Über ungelegte Eier spricht man nicht.

STANDARD: Wer von Ihnen beiden bestimmt eigentlich, wann ein Projekt wirklich fix und fertig ist?

Horner: Das bestimmt der Abgabetermin.

STANDARD: Welcher Gegenstand bei Ihnen zu Hause geht Ihnen am meisten auf die Nerven?

Beide: Das Telefon.

STANDARD: Was sollte ein Paar, das zusammenziehen will, unbedingt beachten? Gibt's einen Tipp?

Beide: Es soll sich eine Wohnung mit mindestens zwei Zimmern nehmen. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 9.5.2014)

Nada Nasrallah und Christian Horner gründeten Soda Designers 2000. Sie studierten u. a. an der Universität für angewandte Kunst (Klasse Ron Arad). Berufserfahrungen sammelten sie in Studios wie Sottsass Associati oder Radi Designers. Auf ihrer Kundenliste sind u. a. MDF Italia, Berndorf, Porro oder Wittmann zu finden.

www.soda.at

Zum Weiterlesen:
Chmara & Rosinke: "Wir würden uns sonst kaum sehen"
Kim + Heep: "Es ist wie ein Pingpongspiel"

  • Nada Nasrallah (43) und Christian Horner (46) sowie einige ihrer Entwürfe. Die beiden wohnen in einer Altbauwohnung mit vier Zimmern im sechsten Bezirk.
    foto: nathan murrell

    Nada Nasrallah (43) und Christian Horner (46) sowie einige ihrer Entwürfe. Die beiden wohnen in einer Altbauwohnung mit vier Zimmern im sechsten Bezirk.

  • Die drehbare Spiegelbox "Mirrko", die sie für Lignet Roset entwarfen.
    foto: nathan murrell

    Die drehbare Spiegelbox "Mirrko", die sie für Lignet Roset entwarfen.

  • Prototyp ihrer Schaukelliege.
    foto: nathan murrell

    Prototyp ihrer Schaukelliege.

  • Magnetische Salz- und Pfefferstreuer für Berndorf.
    foto: nathan murrell

    Magnetische Salz- und Pfefferstreuer für Berndorf.

  • Hängelampe "10 Degree", die eine Sonderedition eines Sessels von Arne Jacobsen beleuchtet.
    foto: nathan murrell

    Hängelampe "10 Degree", die eine Sonderedition eines Sessels von Arne Jacobsen beleuchtet.

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