Gelassene Klavierpoesie

6. Mai 2014, 18:38
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Der gelassene, pointierte Improvisator Jörg Leichtfried spielt mit seinem Trio am Mittwoch im Wiener Porgy & Bess

Das Klaviertrio hat im Jazz eine ehrfurchteinflößende Geschichte, die in unseren Tagen bis zu Keith Jarrett reicht. Da könnte man schon nervös werden und versuchen, durch hektische Aktivität zu punkten und dabei womöglich das Wesentliche zu vergessen. Wie immer im Jazz geht ja es eher um die Substanz des musikalischen Gedankens und weniger um die Anzahl an Noten.

Jörg Leichtfried hat es nicht vergessen. Er gibt sich mit seinem Trio, in dem Andreas Waelti am Bass werkt und Klemens Marktl am Schlagzeug, als gelassener, pointierter Improvisator. Uneitel und entspannt perlt er durch die harmonische Landschaft und bewegt sich dabei melodiös wendig in der gediegenen Mainstreamtradition, was einen auch zu Assoziationen an den großen Poeten des Jazzklaviers verleitet, also an Bill Evans.

Der kleinere Porgy-Raum, die strenge Kammer, ist dabei gut gewählt – für diese subtile Musik. Leichtfried geht es nicht um die große, auftrumpfende Geste des Virtuosen, er scheint an subtilen Zwischentönen interessiert, lässt die Noten ausgiebig atmen und gibt Atmosphären Entfaltungszeit. Auch auf der CD Magicians, Sounds And ­Other Beauties sind die Qualitäten zu genießen. (toš, DER STANDARD, 7.5.2014)

Porgy & Bess, Strenge Kammer, 1., Riemerg. 11, 19.00

  • Subtile Wanderung durch malerische Jazzgärten.
    foto: porgy

    Subtile Wanderung durch malerische Jazzgärten.

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