Land der Zwerge

Einserkastl6. Mai 2014, 18:45
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Nicht (nur) unsere Probleme wachsen, sondern unsere Politiker werden klein und kleiner

Okay, wir haben ein paar größere Probleme in diesem Land. Die Regierung verschuldet uns immer mehr, sodass die EU Österreich bereits auf die Finger klopft. Allerdings hat der Finanzminister die Problematik bereits erkannt und seine Erkenntnis in wirklich Österreich-würdige Worte gegossen.

"In unserem Land der Berge", nahm er eine patriotische Anleihe bei Paula von Preradovic, "gibt es einen Berg zu viel. Das ist der Schuldenberg. Das ist der Berg, der ständig wächst und wächst", meinte er in seiner ersten Budgetrede, um bremsend hinzuzufügen: "So kann es nicht weitergehen."

Der Versuch Michael Spindeleggers, das seltene alpine Naturereignis in den Griff zu bekommen, mag ja ehrenwert sein. Doch irgendwie lässt uns seither die bedrohliche Vorstellung, wir säßen hier im immer finstrer werdenden Tal, während die Politik die Berge rund um uns wachsen und wachsen und wachsen lässt, nicht mehr los. Was, wenn das mit der bremsenden Hand nicht klappt? Was, wenn uns die Gebirge zuwachsen?

Aber vielleicht spielt uns unsere Fantasie einen Streich, wird alles gar nicht so dunkel werden.

Vielleicht müssen wir in Bezug auf die wachsenden Berge im Land der großen Söhne und Töchter nur die Perspektive wechseln. Gut möglich, dass wir dann ganz anderes erkennen werden: Nicht (nur) unsere Probleme wachsen, sondern unsere Politiker werden klein und kleiner. (Renate Graber, DER STANDARD, 7.5.2014)

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