Boko Harams Verbrechen: Falsche Zurückhaltung

Kommentar6. Mai 2014, 18:23
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Wo bleiben die hohen Würdenträger des Islam, die Boko Haram scharf und unmissverständlich verurteilen?

Man kann es ausdrücken wie der britische Außenminister William Hague: Die Entführung der mehr als 200 überwiegend christlichen nigerianischen Schulmädchen durch die islamistische Terrorsekte Boko Haram ist "widerwärtig, ekelerregend". In einem fast höhnisch anmutenden Bekennervideo sagte der Anführer der Truppe, man werde die Mädchen an heiratswillige muslimische Männer verkaufen - "es gibt einen Markt dafür". Zynischer Zusatz: "By Allah", schließlich will man einen islamischen "Gottesstaat" errichten.

Diesen Markt gibt es in der Tat. Und dafür gibt es treffendere Worte als "widerwärtig": Das ist Menschenhandel mit dem Ziel systematischer Vergewaltigung - ein schweres Verbrechen, noch dazu verübt im Namen der Religion.

Wo bleiben die hohen Würdenträger des Islam, die diese Verbrecher, am besten in einer gemeinsam verfassten Erklärung, scharf und unmissverständlich verurteilen? Boko Haram betreibt Religionsmissbrauch, und das sollten die Führungskräfte dieser Religion auch aussprechen. Noch dazu, wo zahlreiche praktizierende Musliminnen und Muslime Boko Haram längst, etwa via Online-Petition, Twitter oder Facebook, in die Schranken gewiesen haben.

Hier geht es auch darum, die böswillige Vermischung von Islam und Islamismus, die von westlichen Kulturkämpfern so gerne betrieben wird, offensiv zu unterbinden. Genau jetzt wäre die bestmögliche Gelegenheit dazu. (Petra Stuiber, DER STANDARD, 7.5.2014)

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