Kafka, Freud als Kassenmagneten

6. Mai 2014, 18:06
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Josefstadt-Theater: Acht Uraufführungen, neue Bühne

Wien - Das Wiener Josefstadt-Theater wähnt sich glücklich. Die aktuelle Auslastung beträgt 90 Prozent (86 Prozent in der Josefstadt, 94 Prozent in den Kammerspielen). Aufsichtsratsvorsitzer Günter Rhomberg nennt die Unterlagen des Hauses "beispielgebend". Man spielt 40 Prozent des Budgets ein. Der Kammerspiele-Umbau wurde großteils aus eigener Kraft bravourös gestemmt.

Derweil trübt kein Wölkchen den Scheinwerferglanz. Und doch klang auf der Saisonpressekonferenz im Dunkel der Probebühne gedämpfter Pessimismus an. À la longue, das heißt: ab 2016 würden die Subventionsgeber um eine Indexanpassung kaum herumkommen. "Sonst", sagte Rhomberg, "brechen einzigartige Strukturen". Zu deren Verbesserung das Josefstadt-Theater tatkräftig beiträgt. Im Dekorationsdepot in Aspern wird eine weitere, dritte Probebühne errichtet ("mit Drehbühne"). Die Baukosten von 250.000 Euro bringt das Haus unter Zuhilfenahme eines Fundraising-Dinners selbst auf.

Den kommenden Spielplan, den Direktor Herbert Föttinger als "sehr modern" bezeichnet, schmücken nicht weniger als acht Uraufführungen. Neben einem Franz-Wittenbrink-Liederabend und einer Peter-Turrini-Revue zum Siebziger gibt man sich mit einem neuen Stück von Christopher Hampton die Ehre (der Dramatiker führt auch Regie). Eine dunkle Begierde schließt an Hamptons Erkundungen der Beziehung Sigmund Freuds zu C. G. Jung an. Das Stück ist dementsprechend eine Weiterentwicklung des Filmstoffes von David Cronenberg (2011). Die Premiere findet am 27. November 2014 statt.

Nach Truman Capotes Frühstück bei Tiffany (Kammerspiele) wird Die Kameliendame von Alexandre Dumas neu erforscht (Regie: Torsten Fischer). Daniel Glattauers Die Wunderübung kommt im Jänner heraus (Kammerspiele), Stücke von Mitterer und Elmar Goerden (ein Kafka-Projekt) folgen. (poh, DER STANDARD, 7.5.2014)

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