Etihad-Chef: "Ohne diese Steuern wäre Air Berlin profitabel"

Interview6. Mai 2014, 17:56
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James Hogan ist optimistisch, dass das Sorgenkind Air Berlin die Kurve kriegt

 

STANDARD: Air Berlin hat für 2013 einen Jahresverlust von 315,5 Millionen Euro bekanntgegeben. Als größter Einzelaktionär mit 29,21 Prozent Anteil wohl kein Grund zur Freude?

James Hogan: Etihad hat eine klare Strategie, wie wir unser Drehkreuz Abu Dhabi entwickeln, wie wir Europa mit Indien, Asien und Australien verbinden wollen. Der größte Markt Europas ist Deutschland. Air Berlin befördert 35 Millionen Passagiere pro Jahr und hat eine Auslastung, die ich sehr schätze. Von unserer Perspektive aus betrachtet kann ich nur sagen, dass das Aufkommen, das Air Berlin in unserem System erwirtschaftet, dass die Maßnahmen, die bei Air Berlin auf der Kostenseite geschehen sind, dass vieles, das geschehen ist, unsere Erwartungen übertroffen hat.

STANDARD: Wie viel Geduld haben Sie dann noch mit der finanziell massiv angeschlagenen Fluglinie. Bis Ende 2014 werden 450 Millionen Euro zugeschossen, davon 300 Millionen Euro von Etihad?

Hogan: Ich bleibe optimistisch, dass Air Berlin erfolgreich restrukturiert, dass das Unternehmen neu aufgestellt wird. Weil, ehrlich gesagt, sonst würden wir nicht so viel Geld investieren. Das vergangene Jahr war für die Fluglinien Europas generell sehr schwierig, zahlreiche Gesellschaften hatten Probleme.

STANDARD: Wie geht es nun weiter?

Hogan: Wir werden umgehend eine Management Consulting Agentur in Air Berlin einbringen, zudem haben wir zwei Etihad-Executives (für die Bereiche Planung/Strategie und Finanz, Anm.), in deren Geschäftsführung bestellt. Um sicherzustellen, dass die Fluglinie wieder nachhaltig zu Profitabilität zurückkehrt, werden sehr harte Maßnahmen notwendig sein. Wir werden uns ansehen, wie das bestehende Einsparungskonzept "Turbine" fortgesetzt und eine fundamentale Restrukturierung vollzogen wird. Schritt für Schritt. Ich habe keinen Zweifel, dass es Air Berlin schafft. Zudem sind wir zuversichtlich, dass das bestehende Air-Berlin-Management diese Maßnahmen versteht.

STANDARD: Bleibt der Österreicher Wolfgang Prock Schauer CEO von Air Berlin?

Hogan: All diese Maßnahmen, welche ich angeführt habe, sind eine wichtige Aufgabe für Prock Schauer, und er wird diese ausführen, eine neue Struktur aufbauen. Hier geht es um eine groß angelegte, notwendige Reaktion.

STANDARD: Aber viel Geld ist es ja doch, das Sie investieren?

Hogan: Denselben Betrag, den Etihad in Air Berlin hineinsteckt, gibt Air Berlin an die Deutsche Regierung in Form von Steuern (hohe Flughafengebühren, Ticketsteuern und anderes mehr, Anm.) ab. Eine Firma mit 10.000 Mitarbeitern wird paralysiert von der Regierung. Ohne diese ungerechtfertigten Steuern wäre Air Berlin profitabel.

STANDARD: Die österreichische Tochtergesellschaft Fly Niki operiert zu günstigeren Kosten als Air Berlin. Könnte Fly Niki dadurch zusätzliche Aufgaben übertragen bekommen? Dem Vernehmen nach soll Fly Niki die Strecke Wien-Abu Dhabi noch heuer bedienen?

Hogan: Das ist mit ein Grund, warum wir ein Management Consultancy bei Air Berlin installieren. Alle Möglichkeiten werden analysiert und geprüft.

STANDARD: Hat der Name Fly Niki eine Daseins- und Zukunftsberechtigung?

Hogan: Ganz ehrlich, ich habe darüber nicht nachgedacht. Das ist auch Aufgabe von Air Berlin, es herauszufinden. Wir geben Air Berlin nicht vor, was sie zu tun hat, aber stellen nun weitere Ressourcen zur Verfügung.

STANDARD: Wird Etihad sich auch bei Alitalia finanziell beteiligen?

Hogan: Kein Kommentar. Etihad hat Kooperationsabkommen mit insgesamt 47 Fluglinien. Diese Strategie setzen wir natürlich fort. (Kurt Hofmann aus Abu Dhabi, DER STANDARD, 7.5.2014)

 

James Hogan (57) ist seit September 2006 Präsident und CEO von Etihad Airways. Hogan begann seine Tätigkeit in der Luftfahrt 1975 bei Ansett Airlines, zudem war er unter anderem auch bei Gulf Air (Bahrein) und British Midland tätig. Unter seine Führung fällt das enorme Wachstum von Etihad Airways sowie der Ausbau globaler Partnerschaften, um ein möglichst großes Streckennetz zu erstellen. Der gebürtige Australier zählt gegenwärtig zu jenen Airline-Chefs, die als wichtigste Persönlichkeiten in der Luftfahrtindustrie gelten.

  • Die Zukunft von Air Berlin hängt am seidenen Faden.
    foto: reuters/stringer

    Die Zukunft von Air Berlin hängt am seidenen Faden.

  • 29-Prozent- Aktionär Etihad aus Abu Dhabi hat der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft mit Finanzspritzen zuletzt etwas Luft verschafft. (Bild: James Hogan)
    foto: epa/kappeler

    29-Prozent- Aktionär Etihad aus Abu Dhabi hat der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft mit Finanzspritzen zuletzt etwas Luft verschafft. (Bild: James Hogan)

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