Hollandes Hoffnung heißt Sarkozy

6. Mai 2014, 17:26
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Frankreichs unpopulärster Präsident setzt auf eine neue Kandidatur seines Vorgängers

Der Liebesentzug ist generell. Laut dem Klatschheft Gala hat die Schauspielerin Julie Gayet ihren behelmten Lover namens François Hollande dieser Tage "verlassen". Und die aus dem Élysée ausgezogene First Lady Valérie Trierweiler stichelt in der Zeitschrift Paris-Match, wo sie ihre Literaturkolumne wiederaufgenommen hat: Scheinbar ohne Grund schrieb sie einen Beitrag über Jules Ferry, "den am meisten verabscheuten Politiker Frankreichs im 19. Jahrhundert". Das Tout-Paris sieht darin eine Anspielung auf heute.

Hollande ist der unpopulärste Präsident der Fünften Republik. Zum zweiten Jahrestag seiner Wahl vom 6. Mai 2012 meinten 35 Prozent seiner ehemaligen Wähler, sie würden dem heute 59-jährigen Sozialisten nicht mehr die Stimme geben. Angekreidet wird ihm vor allem der Misserfolg bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Diese erreichte im April einen historischen Rekord von 3,3 Millionen Erwerbsfähigen. Seit seiner Wahl hatte Hollande erklärt, spätestens Ende 2013 werde er die Arbeitslosenkurve "umkehren".

Herumkommandiert

Die Franzosen können die zweckoptimistischen Beteuerungen ihres Präsidenten nicht mehr hören. Das ob der Wirtschaftskrise entstandene Hollande-Bashing nimmt deshalb mehr und mehr persönliche Züge an. Die Politmuppetshow Les Guignols de l'info mokiert sich auf eine Art über den Präsidenten, die schon nicht mehr satirisch ist, sondern nur noch von Verachtung zeugt: Trierweiler, Gayet oder seine frühere Lebenspartnerin Ségolène Royal kommandieren den Staatschef nach Belieben herum.

In der harten Wirklichkeit ist der präsidiale Autoritätsverlust nicht minder augenfällig. Erstmals wurde einem Staatschef der neue Premierminister von der Öffentlichkeit aufgezwungen. Nach der schweren Schlappe bei den Gemeindewahlen hatte Hollande gar keine Wahl mehr, als Manuel Valls zu nominieren. Seither haben die Medien nur noch Augen für den schneidigen Premier; Hollande erscheint fast wie die Nummer zwei der Staatsführung.

Sogar Parteifreunde stellen den ungeschriebenen Anspruch des Präsidenten, zu seiner Wiederwahl anzutreten, heute prinzipiell in Abrede. Viele Sozialisten setzen bereits auf Valls. Aber Hollande hat noch eine Karte, und die heißt paradoxerweise Nicolas Sarkozy, sein Vorgänger. Beide sind ein Handicap für ihr Lager, wollen dies aber nicht wahrhaben.

Wenn sich Sarkozy nochmals als Hoffnungsträger der Rechten inszenieren kann, hat auch Hollande eine Chance: Schließlich hat er seinen rastlosen Widersacher schon im Wahlkampf 2012 ausgebremst. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 7.5.2014)

  • Zweckoptimistische Prognosen zur Arbeitslosigkeit: François Hollande. 
    foto: reuters/camus

    Zweckoptimistische Prognosen zur Arbeitslosigkeit: François Hollande

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