Ein Stückchen Karstadt-Pleite vor Gericht

6. Mai 2014, 17:35
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Einst war Thomas Middelhoff einer der schillerndsten Manager Deutschlands. Jetzt steht er wegen Untreue-Verdachts vor Gericht

Berlin/Essen - Sein Auftreten hat sich nicht verändert. Im Maßanzug, braun gebrannt (Wohnsitz St. Tropez) und selbstbewusst erscheint Thomas Middelhoff am Dienstag vor dem Landgericht Essen. Eine Botschaft an Staatsanwaltschaft, Gericht und Öffentlichkeit hat er mitgebracht: "Ich stehe hier als Angeklagter mit dem absoluten Gefühl, du hast dir nichts vorzuwerfen."

Die Staatsanwaltschaft allerdings sieht das anders und legt dem 61-Jährigen zur Last, den im Jahr 2009 pleitegegangenen Handelskonzern Arcandor (Karstadt, Quelle) mit "betriebsfremden Kosten" in Höhe von 1,1 Millionen Euro belastet zu haben.

Middelhoff war zunächst von 1998 bis 2002 Vorsitzender der Bertelsmann AG. Als er den Medienkonzern verließ, war er kein armer Mann, denn für den profitablen Verkauf von Anteilen des Internetanbieters AOL kassierte er einen Sonderbonus von 40 Millionen Euro.

2004 stieg er bei Karstadt/Quelle ein und machte daraus 2007 den Handels- und Touristikkonzern Arcandor (Thomas Cook). Aus dieser Zeit, so Oberstaatsanwalt Helmut Fuhrmann sind noch Rechnungen offen. So habe Middelhoff privat Hubschrauber- und Charterflüge in Anspruch genommen, für die sein Dienstgeber Arcandor aufkam. Einmal soll es für 80.000 Euro nach New York gegangen sein, wo Middelhoff im Aufsichtsrat der New York Times saß.

Auch zwischen Dienstort (Essen) und Wohnort (Bielefeld), so die Staatsanwaltschaft, habe sich Middelhoff hin- und herfliegen lassen. Fuhrmann weist in seiner Anklage darauf hin, dass in Middelhoffs Vertrag aber das vereinbart worden sei, was für viele andere Arbeitnehmer auch gelte: Die Kosten für die Anreise von der Wohnung zum Büro muss er selbst tragen.

Engagement für Konzern in der Krise

Middelhoff hingegen findet die Ermittlungen unverhältnismäßig. Er will um seinen Ruf kämpfen und erklärt: "Mir und meiner unternehmerischen Tätigkeit ist großer Schaden zugefügt worden." Denn er habe all die Flüge nur in Anspruch genommen, weil er pausenlos für den Krisenkonzern im Einsatz gewesen sei. Genützt hat es nicht so viel. 2009, kurz nach Middelhoffs Abgang, meldete Arcandor Insolvenz an, die traditionsreichen Karstadt-Warenhäuser übernahm Investor Nicolas Berggruen.

Im Prozess lässt sich Middelhoff übrigens von Sven Thomas verteidigen. Dieser vertritt auch Formel-1-Chef Bernie Ecclestone vor dem Münchner Landgericht, das ihm Bestechung eines ehemaligen Managers der bayerischen Landesbank vorwirft.

Zwar war Middelhoff zuvor noch nie angeklagt, aber er hat einige Erfahrung mit der Justiz. Die Staatsanwaltschaft in Bochum untersucht seit 2009, ob Middelhoff die Arcandor-Pleite verschleppt hat - was der Manager selbst bestreitet.

Auch mit dem Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch und dessen Vorgänger Klaus Hubert Görg liefert sich Middelhoff juristische Auseinandersetzungen. Die Insolvenzverwalter forderten nach der Arcandor-Pleite Boni, Spesen und Tantiemen in zweistelliger Millionenhöhe zurück und verklagten Middelhoff wegen angeblicher Managementfehler auf Schadenersatz in Höhe von 175 Millionen Euro. Das Landgericht Essen hat Middelhoff zu einer Rückzahlung von 3,4 Millionen Euro verurteilt. Doch das Urteil ist nicht rechtskräftig. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 7.5.2014)

  • Zuversichtlich im Gerichtssaal: Der ehemalige deutsche Topmanager Thomas Middelhoff sitzt wegen des Verdachts der Untreue auf der Anklagebank. Er war Chef von Bertelsmann und Arcandor (Karstadt/ Quelle).
    foto: reuters/ ina fassbender

    Zuversichtlich im Gerichtssaal: Der ehemalige deutsche Topmanager Thomas Middelhoff sitzt wegen des Verdachts der Untreue auf der Anklagebank. Er war Chef von Bertelsmann und Arcandor (Karstadt/ Quelle).

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