Putins Ideengeber beim Burschenschafterball

Kolumne6. Mai 2014, 17:13
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In Sachen Faschismus und Rechtsextremismus hat auch Russland einiges zu bieten

In der Ukraine herrscht der Faschismus - wenn man der russischen Propaganda und deren Nachbetern in Europa (und Österreich) glauben will. Nun gibt es zweifellos rechtsextreme Elemente in der ukrainischen Politik.

Aber in Sachen Faschismus und Rechtsextremismus hat auch Russland einiges zu bieten. Eine ideologische Schlüsselfigur dabei ist der 1962 geborene Publizist und Politiker Alexander Geljewitsch Dugin. Er ist der Begründer der "Eurasia-Ideologie", die jetzt auch zum Fundament von Präsident Putins Konzept der "russischen Wiedererweckung" geworden ist.

Dieser Alexander Dugin war 2009 Ehrengast auf dem Burschenschafterball (jetzt "Akademikerball"). Ein weiteres Zeichen der Verbundenheit zwischen der heimischen Rechten und Russland. Dugin ist ein patriarchenbärtiger großrussischer Nationalist mit starken mystischen und darwinistisch-rassistischen Bezügen. Kostprobe aus seinen Schriften: "Schon schlägt die entscheidende Stunde Eurasiens ... Schon nähert der Große Krieg der Kontinente sich dem Endpunkt." Die entscheidende Auseinandersetzung sei die zwischen der Landmacht Eurasien ("Ewiges Rom" ) und der Seemacht ("Ewiges Karthago") USA plus Großbritannien, Kanada, Australien usw.

Russlands Bestimmung sei es, einen eurasischen Großstaat unter Einbeziehung aller früheren Sowjetrepubliken, des früher kommunistischen Osteuropa und möglicherweise auch der westeuropäischen EU-Mitglieder zu bilden.

Verrückt, nicht? Aber Dugin ist Bestsellerautor, gefragter Interviewpartner vor allem der regierungsnahen russischen Medien, beliebter Talkshow-Gast. Er ist Professor an der Moskauer Staatsuniversität, der wichtigsten Uni des Landes. Nach einer Analyse der Wissenschafter Anton Barbaschin und Hannah Thoburn (Putin's Brain in Foreign Affairs, 31. März 2014) ist Dugin auch Ideengeber von Wladimir Putin. Dessen "Eurasische Union" entspricht, etwas weniger grandios, dem Eurasia-Konzept Dugins. Und die Auslassungen Putins über die Einzigartigkeit des russischen Volkes bei seinem stundenlangen TV-Auftritt am 17. April entsprechen Dugins Theorie von einem Russland, das weder zum Westen noch zu Asien gehört und nach seiner eigenen Moral leben soll und kann.

Dugin und Putin hassen den westlichen Liberalismus, können sich nur ein autoritäres Regime für Russland und seine Vasallen vorstellen - und versuchen die europäischen Rechtsaußenparteien gegen die EU zu instrumentalisieren.

FPÖ-Abgeordneter Johann Gudenus (Burschenschaft Vandalia, Studium an der Lomonossow-Universität Moskau) berichtete übrigens als Wahlbeobachter vom Krim-Referendum, es sei "alles seinen korrekten Weg gegangen". Leider erklärte jetzt der von Putin eingesetzte Menschenrechtsrat nach einer Reise auf die Krim, nicht 97, sondern 50 bis 60 Prozent hätten für den Anschluss gestimmt (bei einer Beteiligung von 30 bis 50 Prozent). Auch hätten viele Wähler weniger für die Annexion als gegen die Willkür der bisherigen Regionalführung protestiert. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 7.5.2014)

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