"Ötzi-Quote": "Die wirklich etwas können, sind nicht auf Quote angewiesen"

6. Mai 2014, 17:45
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"Krone"- und RTL-Berater Hans Mahr, früher Falco-Manager: Mindestquote für heimische Musik im ORF nützt nur Privatsendern

Wenn es um österreichische Musik und ORF geht, wird einer hellhörig: Hans Mahr, Medienberater etwa von "Krone" und RTL, wo er früher Manager war. Und nicht zuletzt weil Mahr auch schon Manager war für Hans Hölzel, als Falco eine internationale Größe des Austropop, brennt es Mahr auf der Zunge. Wenn er liest, dass sich etwa SPÖ-Kultursprecherin Elisabeth Hakel eine gesetzliche Mindestquote für österreichische Musik im ORF-Radio einsetzt, mit Unterstützung der ÖVP. Und wenn die SPÖ-Kultursprecherin Landesstudios des ORF zusammenlegen möchte.

Mindestquoten für österreichische Musik hält der Medienberater für "nicht sinnvoll". Denn: "Die Guten setzen sich auch so durch, das hat man in der Zeit des Austropop gesehen. Ambros, Falco, Fendrich und wie sie alle heißen, haben sich ohne Quote durchgesetzt. Jene, die wirklich etwas können, sind nicht auf politisch festgesetzte Quoten angewiesen."

Er bezweifelt, dass mit gesetzlichen Vorgaben "mehr junge, frische österreichische Popmusik ins Radio kommt: Man kann ja nur vorschreiben wieviel, aber nicht welche Musik on air geht." Also würde mit einer Quote wohl am ehesten Andreas Gabalier gespielt, erwartet er, alte Falco-Hits und sein "lieber Freund" Gerry Friedle alias DJ Ötzi. Mahr spricht deshalb von einer "Ötzi-Quote, die bringt nichts. - Ich glaube nicht, dass man damit weit kommt."

"Privatradios werden damit große Freude haben"

"Alleine die österreichischen Privatradios werden damit eine große Freude haben", erwartet Mahr und geht davon aus: "Die kann eine solche Regulierung nicht treffen. Dort könnte dann weiter die populäre Musik gespielt werden."

"Die neue Regulierungswut der großen Koalition" findet Mahr just vor der Europawahl "inkonsequent": Während man Brüssel Überregulierung vorwerfe, setze die österreichische Regierung hier selbst auf "Verbote und Regulierung".

Quoten wären "prinzipiell nicht zielführend" und hätten sich "nirgendwo bewährt". Das oft angeführte Musterbeispiel Frankreich sieht Mahr nicht direkt vergleichbar: Die Musikquote beziehe sich dort auf die Sprache - die teilt Österreich im Gegensatz zu Frankreich mit ungleich größeren Nachbarländern. Und beim auf Film könne eine fast achtmal größere Filmnation auf weit mehr Inhalte zurückgreifen.

"Riesenvorteil" für ORF: Landesstudios

"Verwegen" findet Mahr die Idee von SPÖ-Kultursprecherin Hakel, besser an Landesstudios zu sparen denn an Aufträgen für österreichische Film- und Fernsehproduktionen. "Ausgerechnet die SPÖ", die  bisher bemüht war, den ORF zu verteidigen, wolle nun "abschaffen, was den ORF auszeichnet und ihm einen Riesenvorteil verschafft". Mahr: "Wenn sich der ORF in der Konkurrenz unterscheiden kann, dann durch seine Regionalität." Er plädiert für "mehr Übertragungen aus und über den regionalen Raum." Er nennt als Beispiele etwa die Festspiele von Salzburg und Bregenz und, Niederösterreich hat in der Politik wie im ORF besonderes Gewicht, das Grafenegg Festival.

Die regionalen ARD-Anstalten in Deutschland spielten gemeinsam in einer Quotenliga mit der überregionalen ARD, erinnert Mahr. Der Bayerische Rundfunk etwa, eine der größeren deutschen Regionalanstalten, hat allerdings ähnlich viel Personal wie der gesamte ORF und nimmt im Jahr etwas mehr ein als die österreichischen Kollegen. Und nicht alle deutschen Bundesländer haben noch eigene ARD-Anstalten - Berlin und Brandenburg legten ihre ebenso zusammen wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz oder auch Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Heute versorgen neun ARD-Regionalanstalten die 16 Bundesländer.

Mahr: "Landesstudios sind doch das einzige Alleinstellungsmerkmal des ORF in der internationalen Konkurrenz. Internationale Unterhaltungsformate macht jeder Sender. Die regionalen Studios kann ihm niemand nachmachen.Statt die Landesstudios zu kürzen oder zusammenzulegen, muss man sie doppelt soviel produzieren lassen. Das ist die wirkliche Chance des ORF in den nächsten Jahren. Hier kann er stark sein, wie es niemand anderer kann." (fid, DER STANDARD, 7.5.2014)

  • Hans Mahr, Medienberater (Mahrmedia) etwa von "Krone" und RTL, sieht keinen Sinn in einer Mindestquote für österreichische Musik - die nütze nur ...
    foto: paul schirnhofer

    Hans Mahr, Medienberater (Mahrmedia) etwa von "Krone" und RTL, sieht keinen Sinn in einer Mindestquote für österreichische Musik - die nütze nur ...

  • ... dem Airplay von bekannten Größen wie "meinem Freund Gerry Friedle" alias DJ Ötzi (Bild) oder Andreas Gabalier.
 
    foto: apa/herbert neubauer

    ... dem Airplay von bekannten Größen wie "meinem Freund Gerry Friedle" alias DJ Ötzi (Bild) oder Andreas Gabalier.

     

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