Nikolaihof Vinothek 1995: Der Bioriesling, der es an die Weltspitze schaffte

Kopf des Tages6. Mai 2014, 16:51
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17 Jahre reifte der prämierte biodynamisch erzeugte Wein aus Mautern im Eichenfass

Zwar fehlten dem Verkoster David Schildknecht "(fast!) die Worte". Doch konnte er zumindest schriftlich festhalten, dass der Riesling Vinothek 1995 vom Weingut Nikolaihof, der 2012 gefüllt wurde, als erster 100 Punkte in Robert Parkers "The Wine Advocate" erhalten soll.  Der bis dato höchst bewertete Österreicher war Alois Krachers Trockenbeerenauslese Nr. 10 aus Welschriesling Jahrgang 2000 mit 99+ Punkten.

Seit 1978 publiziert Parker diesen Newsletter, den Profis der Branche und Weinliebhaber weltweit abonnieren und der trotz vieler Diskussionen als die einflussreichste Weinpublikation der Welt gilt, da durch ihn Preisgefüge verschoben und Image gemacht wird. Parker arbeitet mit einem Verkoster-Team, in dem Schildknecht der Mann für Österreich und etliche andere zentraleuropäischen und ostamerikanischen Weinbauregionen ist. Beim Nikolaihof-Riesling, der übrigens mit 12,5 Volumenprozent kein alkoholisches Schwergewicht ist, schwärmt er von den blütenhaften Aromen, von Vogelbeere und Mandeln, von subtiler steiniger Mineralität und einer endlosen Leichtfüßigkeit, sodass er sich fragt, ob man überhaupt noch von Finish reden könne, wenn der Geschmack einfach nicht enden will.

Biodynamisch auf trockenem Gebiet

Mit der Höchstwertung von 100 Punkten wirft man beim Wine Advocate nicht gerade um sich. Für so einen Wein spielt vieles zusammen, neben einem Verkoster, der Derartiges einzuschätzen versteht: beginnend mit Rebsorten, die an der richtigen Stellen gepflanzt wurden – im Falle dieses Rieslings ist es ein Flecken hinter Mautern, "Im Weingebirge" genannt, der seit 511 in historischen Schriften als Weingarten geführt wird. Der Boden dort ist sandiger Lehm und Löss auf einem Unterbau aus Donauschotter, dazu kommen Granitzungen, die bis an knapp unter die Oberfläche reichen. Alles in allem bietet er jene "leichten" und kargen Bedingungen, unter denen Riesling zur Hochform aufläuft. Die Stadt Mautern an der Donau liegt am deutlich weniger beachteten Südufer der renommierten Wachau und ist generell ein sehr trockenes Gebiet.

Zu all dem kommt jahrzehntelange biodynamische Arbeitsweise, die sich aus ökonomischer Notwendigkeit ergeben hat: Als Vater Saahs 1960 übernommen hat, erzählt Nikolaus Saahs, war "einfach nichts da", vor allem kein Geld für das, was damals an landwirtschaftlichen Hilfsmittel in Mode kam. 1971 kam Mutter Christine auf den Hof, die durch ihre Freundschaft mit einer anthroposophisch arbeitenden Kinderärztin mit den Methoden und Anwendungen Rudolf Steiners bekannt gemacht wurde, die ursprünglich für die Landwirtschaft gedacht waren, da Steiner mit Weinbau nichts am Hut hatte. Aus dieser Konstellation führte der Weg in die Biodynamie nach Demeter.

Lange Reifezeit im Eichenfass

Dass dieser Riesling derart lang im 3000-Liter-Eichenfass reifte, liegt daran, dass man am Nikolaihof generell nicht am in Österreich höchst beliebten "Je jünger ein Wein desto lieber"-Spiel teilnimmt. Dahinter stecke vor allem Qualitäts- und Sicherheitsdenken, so Saahs jr.: "Weine brauchen eben Zeit. Und wenn es durch Hagel oder Frost zu Ausfällen kommt, sind Jahrgänge da, die man verkaufen kann." Seit 1990 zweigt man Teile des besten Fasses ab und belässt sie dort, bis sich der Familienrat einig ist, dass der Wein perfekt ist. Dann wird er unter der Bezeichnung "Vinothek" gefüllt, im diesem Falle eben nach 17 Jahren. Ab Hof hätte die Flasche 62 Euro gekostet, er ist aber ausverkauft. Allerdings bekamen auch andere "Vinothek"- Weine ihre Zeit: Der erste Riesling Vinothek aus 1990 wurde 2004 gefüllt. (Luzia Schrampf, DER STANDARD, 7.5.2014)

  • Verkoster David Schildknecht fehlten "(fast!) die Worte". Doch konnte er zumindest schriftlich festhalten, dass der Riesling Vinothek 1995 vom Weingut Nikolaihof als erster Wein aus Österreich 100 Punkte in Robert Parkers "The Wine Advocate" erhalten soll. 
    foto: anna maria lun/nikolaihof wachau

    Verkoster David Schildknecht fehlten "(fast!) die Worte". Doch konnte er zumindest schriftlich festhalten, dass der Riesling Vinothek 1995 vom Weingut Nikolaihof als erster Wein aus Österreich 100 Punkte in Robert Parkers "The Wine Advocate" erhalten soll. 

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