Vermessung der Gletscher-Welt in zuvor unerreichter Genauigkeit

6. Mai 2014, 20:34
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Daten zu weltweit 200.000 Gletschern ermöglichen erstmals zuverlässige Berechnungen des Beitrags der Eismassen zum Meeresspiegelanstieg

Innsbruck - Einer internationalen Gruppe von Wissenschaftern ist es gelungen, praktisch alle Gletscher der Erde zu kartieren. An der Inventarisierung, die erstmals zuverlässige Berechnungen des künftigen Beitrags der Gletscher zum regionalen Wasserhaushalt sowie zum globalen Meeresspiegelanstieg ermöglichen soll, war auch der Glaziologe Gerorg Kaser von der Universität Innsbruck beteiligt.

"Endlich wissen wir, wie viele Gletscher es auf der Erde gibt, wo sie sich befinden, wie groß sie sind und wie viel Eis in ihnen gespeichert ist", betonte Mitinitiator Kaser. Die inventarisierten Gletscher werden in computerlesbarer Form im Randolph Gletscher Inventar (RGI) zur Verfügung gestellt. Künftig soll es Glaziologen damit möglich sein, mit "bisher nicht erreichter Genauigkeit" die Auswirkungen des Klimawandels auf jeden einzelnen Gletscher weltweit zu berechnen.

Insgesamt bedecken die rund 200.000 Gletscher der Erde (ohne die Eisschilde der Arktis und Antarktis) eine Fläche von etwa 730.000 Quadratkilometern und haben ein Volumen von rund 170.000 Kubikkilometer. "Damit wurde die genaue Modellierung der Gletscherreaktion auf Klimaänderungen stark verbessert", erklärte Kaser. Ein am Dienstag in der Fachzeitschrift Journal of Glaciology veröffentlichter Aufsatz stelle das Inventar sowie erste darauf aufbauende statistische Analysen zur Verteilung der Gletscher weltweit vor, hieß es.

Gesamte Gletscherfläche so groß wie Deutschland, Dänemark und Polen zusammen

Der kürzlich veröffentlichte 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) sei der Hauptgrund für die Vervollständigung des Inventars gewesen. Zahlreiche Studien, die eine erste Version des Gletscherinventars verwendet hatten, hätten entscheidende Beiträge zu diesem Bericht geliefert. Die gesamte Gletscherfläche der Erde sei etwa so groß wie Deutschland, Dänemark und Polen zusammengenommen. Das in den Gletschern gespeicherte Eis enthalte zwischen 35 und 47 Zentimeter Meeresspiegeläquivalent an Wasser, das heißt der Meeresspiegel würde um diesen Betrag steigen, wenn alle Gletscher komplett schmelzen würden.

Das sei weniger als die bisher angenommenen rund 60 Zentimeter und mache weniger als ein Prozent jener Eismasse aus, die in den Eisschilden Grönlands und der Antarktis gespeichert sei, hieß es. Allerdings seien die Gletscher dem globalen Temperaturanstieg sehr viel stärker ausgesetzt als die Eisschilde, da sich das Eis der Gletscher generell bereits am Schmelzpunkt befinde, während das Eis der Eisschilde erst erwärmt werden müsse. Die Gletscher würden daher zurzeit etwa ein Drittel zum beobachteten Meeresspiegelanstieg beitragen. Der Rest gehe auf das Konto der thermischen Ausdehnung des Meerwassers.

Das Randolph Gletscher Inventar basiert auf der gemeinsamen Arbeit von 74 Wissenschaftlern aus 18 Ländern. Neben Kaser war auch der Südtiroler Glaziologe Philipp Rastner beteiligt. (APA/red, derStandard.at, 06.05.2014)

  • Der Elefantenfußgletscher in Nordostgrönland. Weltweit haben die Forscher rund rund 200.000 Gletscher mit einem Gesamtvolumen von 170.000 Kubikkilometer gezählt.
    foto: landsat etm+; tobias bolch (uzh/tud

    Der Elefantenfußgletscher in Nordostgrönland. Weltweit haben die Forscher rund rund 200.000 Gletscher mit einem Gesamtvolumen von 170.000 Kubikkilometer gezählt.

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