Neuer Ansatz zur Früherkennung von Morbus Parkinson

6. Mai 2014, 15:28
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Krankheit könnte künftig schon in frühen Stadien mittels Hautbiopsie nachweisbar werden

Würzburg - Eine Parkinsonerkrankung zu diagnostizieren ist vor allem im Frühstadium der Krankheit schwer. In einer aktuellen Studie im Fachblatt "Acta Neuropathologica" zeigen Neurologen der Uniklinik Würzburg einen überraschenden Weg auf, der sowohl der Früherkennung als auch der Forschung dienen könnte: Über die Haut der Betroffenen.

Eine hundertprozentig sichere Diagnose von Morbus Parkinson ist erst nach dem Tod möglich. Erst dann können Pathologen bei einer Untersuchung des Gehirns die typischen Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein in Nervenzellen bestimmter Hirnregionen nachweisen, die die Erkrankung eindeutig belegen.

Alpha-Synuclein-Ablagerungen

Zuvor können Ärzte nur anhand einer Reihe typischer Symptome darauf schließen, dass ein Patient an Parkinson erkrankt ist. Wenn er sich nur noch langsam und eingeschränkt bewegen kann, seine Muskeln steif sind und im Ruhezustand zittern, wenn er sich schwer damit tut, das Gleichgewicht zu halten, liegt die Diagnose auf der Hand. Allerdings treten diese Symptome erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit auf, bis dahin bleibt die Diagnose mit einer großen Unsicherheit behaftet.

Das könnte sich in absehbarer Zeit ändern: Denn die Würzburger Neurologen fanden heraus, dass sich die Alpha-Synuclein-Ablagerungen bei rund der Hälfte der Patienten mit Parkinson auch in den kleinen Nervenfasern der Haut nachweisen lassen. Da die Haut viel leichter zugänglich ist als das Gehirn, hoffen die Forscher um Claudia Sommer, dass die Erkrankung in Zukunft durch eine einfache Hautbiopsie auch schon zu Lebzeiten der Patienten sicher erkannt werden kann. Zudem bietet sich nach Ansicht der Wissenschafter dadurch die Möglichkeit, den bisher noch weitgehend unbekannten Krankheitsmechanismus in der Haut zu untersuchen. 

Nachweis bei jedem zweiten Erkrankten

An der Studie nahmen 31 Parkinson-Patienten aus der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Würzburg und der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel und 35 gesunde Vergleichspersonen teil. Ihnen allen wurden kleine Hautproben am Unterschenkel, Oberschenkel, Zeigefinger und Rücken entnommen. Zusätzlich wurden verschiedene weitere Untersuchungen durchgeführt, um andere Ursachen einer Nervenschädigung ausschließen zu können.

"In der feingeweblichen Aufarbeitung konnte bei 16 Patienten, aber bei keinem der Vergleichsprobanden, phosphoryliertes Alpha-Synuclein in Nervenfasern der Haut nachgewiesen werden", fasst die Erstautorin Kathrin Doppler das Ergebnis der Studie zusammen. Oder anders gesagt: Während etwa jeder zweite Parkinsonpatient die typischen Ablagerungen besaß, traten sie bei Gesunden in keinem Fall auf.

Für eine frühe Diagnose interessant ist ein zweiter Befund: "Alpha-Synuclein zeigte sich gleichermaßen bei Patienten in frühen wie in späten Krankheitsstadien", so Doppler. Eine Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf sei nicht nachweisbar gewesen.

Vielversprechender Forschungsansatz

Am häufigsten stießen die Forscher in Hautbiopsien vom Rücken der Studienteilnehmer auf Alpha-Synuclein. Zudem registrierten sie eine niedrigere Anzahl der Nervenfasern bei Patienten mit Parkinson im Vergleich zu Gesunden fest. Dabei seien ähnliche Nervenfasertypen betroffen gewesen wie im Gehirn von Parkinsonpatienten. Nach Ansicht der Forscher gibt dies Anlass zur Hoffnung, dass die Veränderungen in der Haut bei Parkinsonpatienten diejenigen am Gehirn widerspiegeln und die Haut daher auch zur Erforschung des Krankheitsmechanismus geeignet ist.

In einer Folgestudie sollen nun die Alpha-Synuclein-Ablagerungen in der Haut näher charakterisiert werden, um mehr über deren Auswirkungen auf die Funktion und das Überleben von Nervenfasern herauszufinden: Ein möglicher Schritt zum Verständnis des noch weitgehend unbekannten Mechanismus der Krankheit. (red, derStandard.at, 6.5.2014)

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