Familien brauchen immer öfter Hilfe von außen

6. Mai 2014, 17:30
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Der Bedarf an der Familienhilfe steigt stetig - oft heißt es aber: bitte warten!

Der Druck auf Familien steigt. Immer mehr Menschen sind auf Hilfe von außen angewiesen, um den Alltag bewältigen zu können. Der Bedarf an sogenannter Familienassistenz ist dementsprechend groß. Beispiel Oberösterreich: Dort kümmert sich die Caritas um Familien, die in Not sind. "Es ist eine deutliche Steigerung spürbar", sagt Mario Ruhmanseder, Pressereferent der Caritas Oberösterreich. Die Belastungen der Familien "nehmen enorm zu, was eine größere Verletzlichkeit des Systems nach sich zieht. Der Druck, der in der Gesellschaft vorhanden ist, führt zu einer deutlichen Steigerung der psychischen Erkrankungen und damit auch zu einer Belastung für die in den Familien lebenden Kinder."

Als häufigste Gründe, warum Unterstützung notwendig ist, nennt Ruhmanseder Überlastung der Eltern, Erkrankung der kinderbetreuenden Person und schwierige Entbindungen (Mehrlingsgeburten oder Frühchen). Allein beim oberösterreichischen Ableger der Caritas sind 244 Familienhelferinnen im Einsatz - Langzeithilfe mitgerechnet. Im Jahr 2013 wurden 1.230 Familien und somit 3.055 Kinder betreut.

Mehr Anfragen

Ihr Familienhilfsangebot bietet die Caritas auch in Wien an. "Dass auch hier der Bedarf steigt, ist eine Tatsache", sagt Roswitha Mikusch, die Leiterin der Unterstützungsprogramme. Bei der "Familienhilfe plus", die "Problemfamilien" hilft und ausschließlich über die Kinder- und Jugendhilfe beauftragt wird, gibt es längst Wartelisten. Dabei sind das gerade die harten Fälle - es geht um hygienische Missstände, Drogenprobleme und Überschuldung. Hier wird versucht, Kinder doch noch in ihren Familien belassen zu können.

Aber selbst bei der "normalen" Unterstützungsarbeit, etwa wenn ein Elternteil für eine Operation ein paar Tage ins Spital muss, seien "mehr Anfragen da, als wir befriedigen können". Mikusch erklärt sich den Anstieg bei den Hilfesuchenden damit, dass sich die "Leute heute eher trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen". Klar sei aber auch, dass Krankheitsbilder wie Burn-out und Depression zunehmen.

Komplizierte Problemfelder

Familienassistenz bietet auch die gemeinnützige GesmbH Assistenz 24 an. Geldmangel, sprich die Folge von Arbeitslosigkeit, sei das Hauptproblem ihrer Klienten, sagt Geschäftsführerin Valerie Clarke. Auch sie stellt einen Anstieg bei den Hilfesuchenden fest: "Das ist sicher so, die Problemfelder werden auch immer komplizierter", meint sie. Gearbeitet wird in Teams mit dem "gesamten Familiensystem". Sehr viele Familien würden sich nur sehr kurzfristig begleiten lassen, auch wenn eine längere Phase aus Clarkes Sicht besser wäre.

Wenig Wunder, müssen die Familien doch meist die Kosten selbst tragen. 25 Euro kostet die Stunde: "Wir versuchen natürlich, ihnen so weit wie möglich entgegenzukommen. Oft helfen Pfarren aus, es gibt Spenden und Sponsoren." Manchmal kommt das Geld auch einfach von den Großeltern der betroffenen Familien. Derzeit versucht sie mit der zuständigen Wiener Magistratsabteilung eine Kooperation einzugehen.

Anderes Bundesland, gleiche Problemlage: Auch in Kärnten werden Familienassistenzleistungen immer häufiger in Anspruch genommen. "Die Nachfrage steigt kontinuierlich", sagt Georg Hruschka, zuständiger Fachbereichsleiter in der Arbeitsvereinigung der Sozialhilfeverbände Kärntens (AVS). Deshalb habe das Land auch mit Beginn des Jahres die Anzahl der Betreuungsstunden um 3.000 auf 17.000 erhöht. "Es gab viele Anfragen, daher musste das Land Kärnten reagieren", so Hruschka. Mit der Einführung eines Selbstbehalts pro Assistenzstunde unter dem früheren FPÖ-Sozialreferenten Christian Ragger war die Nachfrage allerdings zunächst eingebrochen.

Auszeit gönnen

"Je stärker der Pflegebedarf ist, desto stärker ist die Belastung für die Familien. Vor allem aber gilt dies für Alleinerziehende. Da ist es ganz wichtig, dass wir wenigstens zeitweise Entlastung bieten können", sagt Hruschka. "Wichtig ist, dass die Familienangehörigen sich manchmal eine Auszeit nehmen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können."

In letzter Zeit würden auch Verhaltensauffälligkeiten bei körperlich, geistig oder psychisch beeinträchtigen Kindern zunehmen, sagt Hruschka. Da sei es wichtig, geeignete Betreuungsangebote frühestmöglich anbieten zu können. Etwa bei der Schul- und Frühförderung oder durch die ebenfalls von der AVS angebotene Freizeitassistenz, die die Betroffenen und Familienangehörigen bei der Integration und Partizipation am gesellschaftlichen Leben unterstützen soll: "Das steigert das Selbstwertgefühl und fördert das psychische und körperliche Wohlbefinden." (mro, pm, stein, derStandard.at, 6.5.2014)

  • "Der Druck, der in der Gesellschaft vorhanden ist, führt zu einer deutlichen Steigerung der psychischen Erkrankungen und damit auch zu einer Belastung für die in den Familien lebenden Kinder", sagt Mario Ruhmanseder von der Caritas Oberösterreich.

    "Der Druck, der in der Gesellschaft vorhanden ist, führt zu einer deutlichen Steigerung der psychischen Erkrankungen und damit auch zu einer Belastung für die in den Familien lebenden Kinder", sagt Mario Ruhmanseder von der Caritas Oberösterreich.

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