Zustimmung zu aktiver Sterbehilfe nimmt in Österreich stark ab

6. Mai 2014, 12:59
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Laut Med-Uni Graz um 14 Prozent weniger Befürworter als in einer vergleichbaren Studie aus dem Jahr 2010

Graz/Wien - Die Einstellung der Österreicher zur Frage der aktiven Sterbehilfe erlebt offenbar eine Trendwende: Laut der jüngsten repräsentativen Befragung der Medizinischen Universität Graz und dem Institut für empirische Sozialforschung IFES hat die Zustimmung seit dem Jahr 2010 um 14 Prozent abgenommen und liegt nunmehr bei 47,5 Prozent, wie die Med-Uni Graz am Dienstag mitteilte.

Aktive Sterbehilfe bezeichnet die Möglichkeit, unheilbar Kranken und schwer leidenden Menschen den Sterbewunsch zu erfüllen, indem ihnen ein Mittel verabreicht wird, das den Tod herbeiführt. Unter passiver Sterbehilfe wird hingegen der selbst verlangte Abbruch einer medizinisch noch möglichen lebensverlängernden Behandlung verstanden. Im Rahmen der Erhebung des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie und des IFES wurden 2.000 Österreicher zu ihrer Einstellung sowohl zur aktiven als auch zur passiven Sterbehilfe befragt. Es handelte sich um eine repräsentative Zufallsstichprobe der österreichischen Bevölkerung ab einem Alter von 15 Jahren.

Trendumkehr

Dabei zeigte sich ein Stimmungswandel innerhalb der vergangenen vier Jahre in Richtung Ablehnung der aktiven Sterbehilfe: 47,5 Prozent der Befragten befürworteten die aktive Herbeiführung des Todes auf Patientenwunsch. Männer traten mit 51 Prozent etwas öfter dafür ein als Frauen (44 Prozent). Dieses Resultat zeigt eine Abnahme der Befürwortung von 14 Prozent im Vergleich zu einer vergleichbaren Studie des Institutes aus dem Jahr 2010 und entspricht in etwa den Ergebnissen von Befragungen aus den Jahren 2000 und 2006. Passive Sterbehilfe wurde von 68 Prozent (2010: 78 Prozent) der Befragten befürwortet.

Der Grazer Sozialmediziner und Studienautor Wolfgang Freidl bezeichnete die österreichische Trendwende als bemerkenswert und betonte, dass die Entwicklung etwa in Deutschland anders verlaufe: Dort werde die aktive Sterbehilfe in repräsentativen Umfragen von "mindestens zwei Dritteln der Bevölkerung" befürwortet. Freidl vermutet, dass die stark abnehmende Befürwortung der aktiven Sterbehilfe in Österreich auf die jüngste Diskussion um ein verfassungsrechtliches Verbot zurückzuführen ist. Er halte eine vertiefende, sachlich geführte Diskussion in Politik, Medien und Öffentlichkeit für eine fundierte Meinungsbildung unumgänglich.

In Österreich ist aktive Sterbehilfe verboten. Auch assistierter Suizid, also die Verordnung von Medikamenten, die todkranke Menschen selbst einnehmen, um damit ihren Tod herbeizuführen, ist gesetzlich nicht erlaubt. Der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen bei einer tödlich verlaufenden Erkrankung oder Verletzung (passive Sterbehilfe) ist hingegen legal. (APA/red, derStandard.at, 6.5.2014)

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