Westagenten wollten Breschnew-Sohn in Sexfalle locken - doch der Coup misslang

6. Mai 2014, 11:42
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Juri Breschnew und zwei weitere Sowjet-Funktionäre sollten von britischer MI6-Agentin verführt werden

Stockholm - Während des Kalten Krieges ließen West und Ost keine Strategie ungenutzt, um dem Gegner eins auszuwischen; auch Sexfallen waren an der Tagesordnung. Wenn man einem nun veröffentlichten Buch glauben schenken darf, war der Westen in solchen Dingen nicht immer besonders erfolgreich.

Der ehemalige Chef der schwedischen Spionageabwehr, Olof Franstedt, berichtet in seinen Memoiren von einem pikanten Vorfall in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre. Damals sollen eigentlich eher die Sowjets Spezialisten im Einsatz von Alkohol und Sex gegen westliche Agenten und Politiker gewesen sein. Dank einer sich bietenden Gelegenheit in Schweden wollten die Westagenten aber einmal den Spieß umdrehen. Der Plan war, den Sohn des damaligen sowjetischen Staatschefs Leonid Breschnew, Juri, zwecks politischer Erpressung in einen Sexskandal zu verwickeln.

Juri Breschnew befand sich zu dieser Zeit gemeinsam mit einer russischen Handelsdelegation in Lidingö nahe Stockholm. Im Rahmen einer der damals populären Pyjamapartys sollte ihn eine westliche Agentin zum Sex in einer mit Abhör- und Kameraausrüstung verkabelten Wohnung im Stockholmer Nobelstadtteil Östermalm verführen. Zwei weitere sowjetische Top-Funktionäre hätten auf eine ähnliche Weise kompromittiert werden sollen.

Keine Erfahrung mit Sexfallen

Die Schweden hatten damals allerdings wenig Erfahrung mit Kommandoaktionen dieser Art - Franstedt: "Ich war Anfänger in der Branche" - und suchten daher fachliche Hilfe beim britischen MI6. Dieser entsandte für die Aktion auch tatsächlich "Ann" - eine laut MI6 in diesen Dingen bis dato unfehlbare Agentin - nach Stockholm.

"Ann" kam in diesem Fall allerdings gar nicht erst dazu, ihre Verführungskünste einzusetzen; die Agentin musste unverrichteter Dinge nach London zurückkehren: Juri Breschnew und die beiden anderen davongekommenen Zielpersonen wurden überraschend von ihren jeweiligen Diplomatenposten in Stockholm abgezogen.

Erst viele Jahre später fand sich die Erklärung für den Fehlschlag. Der kurz davor enttarnte und 1979 verurteilte Moskau-Maulwurf Stig Bergling hatte von den Plänen Wind bekommen und die Russen gewarnt. Franstedt bedauert laut der schwedischen Nachrichtenagentur TT heute noch, dass die Aktion missglückte. (red, derStandard.at, 06.05.2014)

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