Hoit's eng z'samm, alle miteinander

7. Mai 2014, 17:13
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Die Amadeus Austrian Music Awards 2014 wurden im Wiener Volkstheater verliehen. Nach drei Stunden Preisverleihung begann man an einer Österreicher-Quote wieder einmal zu zweifeln

Wien - Wenn das so weitergeht, ist Ö3 bald so hip, dass sie beim Villacher Fasching darüber Witze machen. Der Staatssender im Zeichen von Unbedarftheit und guter Laune, dessen redaktionelle Arbeit weitgehend im Verlesen aktueller Verkehrsunfälle und dem Buchstabieren der vermischten Nachrichten besteht, war zwar ein bestimmendes Gesprächsthema bei den Amadeus Austrian Music Awards im Volkstheater.

Außer hartgesottenen Frühpensionisten mit Mallorca-Bräune im Publikum, die Gleichaltrige irgendwie als historisch relevante "Austropopper" wiederzuerkennen glaubten, mochte allerdings niemand mehr wirklich eine Meinung zur Debatte um eine Quotenregelung für österreichische Popmusik im Staatsfunk abgeben. Er wird trotz beständiger Reichweitenbehauptungen zumindest nicht oder nicht mehr von Menschen gehört, die sich beruflich mit Musik beschäftigen. Man wäre irgendwie schön blöd.

Wer seit mittlerweile fast 20 Jahren vom Staatsfunk in seinen Hauptformaten Fernsehen und Durchhalte-Radio unterhalb der Schneeverwehungen von I Am From Austria oder - Achtung, jetzt kommt es - Rock Me Amadeus ignoriert wird, wendet sich irgendwann der letzten Hoffnung in Gestalt der Regionalradios zu. Das geht sich außerhalb Wiens noch aus, da man die Hütte ohne Hubert von Goisern oder ohne junge feixende Zipfelmützenseppen mit Stromgitarren oder Und sie tramt jetzt immer öfter von Riccardo ... zusperren müsste. In Wien selbst muss man sich heute dank einer segensreichen Programmreform sprachlich eher als herübergebeamter Engländer aus den 1980ern tarnen, um gespielt zu werden. Ein Radioprofi kann aber sicher erklären, warum das sinnvoll ist. You know what I'm saying.

Extra nicht gespielt

O. k., runterkommen again. Bei der heuer 14. Verleihung des immer belächelten, verhöhnten, ignorierten, "ja, hallo, wie geht es dir denn, alt/dick/blond bist du geworden" Amadeus-Preises für besondere Verdienste heimischer Popmusiker im legalen CD-, Streaming- und Download-Bereich unter strenger Auslassung des Staatsfunks und der Taxifahrersender war es also sowohl als auch kein Thema, vom Radio extra nicht gespielt zu werden. Österreichische Musik muss mittlerweile ja selbst mit dieser Preisverleihung aus dem ORF ins Spätprogramm eines Privatsenders wie Puls 4 verräumt werden, um überhaupt noch im TV gezeigt werden zu können.

Eberhard Forcher, der Mann, der als Radioveteran auf Ö3 als Letzter dafür zuständig ist, dass er weiß, worüber er spricht, wenn er über Musik spricht, bekommt heute Abend einen Amadeus.

Allerdings bekommt er ihn nicht dafür, dass er auf Ö3 regelmäßig junge Bands vorstellt und ihnen somit zumindest die Illusion gibt, irgendwo, irgendwann von Musik irgendwie mit viel Glück und einem Lebenspartner mit Fixanstellung auch einmal ein wenig leben zu können. Nein, Forcher stellt auf dem Youtube-Kanal Austrozone in seiner Freizeit jene Musik vor, die selbst heute Abend bei den Amadeus Awards irgendwie nur am Rande vorkommt. Wir sprechen von guter Musik.

Die Band Bilderbuch etwa macht mit Maschin und deutschsprachiger, schneidiger Rockmusik - und Haare schön und jung und sexy - gerade in Deutschland Karriere. Uns ist das wurscht. Bilderbuch bekommen "nur" einen Publikumspreis vom Studentensender FM4 - und nicht für die beste und coolste Rockmusik, die Ö3 - für wen eigentlich? - niemals spielen wird. Die beste Musik kommt heuer laut Amadeus-Jury und dem Veranstalter IFPI (Verband der österreichischen Musikwirtschaft) von Christina Stürmer. Viele im Saal haben so erfahren, dass sie 2013 ein neues Album veröffentlicht hat.

Für das Lebenswerk wird Stefanie Werger, die Grande Dame im Segment "Nicht der Wolferl Ambros", ausgezeichnet, unter anderem für Riccardo. Rapper Nazar, ein freundlicher Gangster aus Wien, der in Deutschland regelmäßig das Jahreseinkommen eines Raiffeisen-Vorstands hereinrappt, kriegt auch was. Manuel Rubey moderiert sympathisch mit guter Miene. Andreas Gabalier kann seinen jährlichen Amadeus für Anlassigsein in kurzen Hosen nicht persönlich abholen. Er ist auf Fan-Kreuzfahrt im Mittelmeer.

Aus dem Ausland singen Mando Diao, Fanta 4 und Dings. Sehr viel Frauen schauen sehr professionell aus. Wahrscheinlich singen sie moderne Discomusik und wollen Aufmerksamkeit. Alles wird gut. Oida. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 8.5.2014)

Die Sieger im Überblick:

Album des Jahres Christina Stürmer - "Ich hör auf mein Herz"
Song des Jahres Anna F. - "DNA"
Best Live Act Parov Stelar
FM4-Award Bilderbuch
Best Video Nazar - "An manchen Tagen"
Electronic/Dance Darius & Finlay
Rock/Hard & Heavy Kaiser Franz Josef
Hip-Hop/RnB RAF 3.0
Jazz/World/Blues Norbert Schneider
Pop Christina Stürmer
Schlager Charly Brunner & Simone
Volkstümliche Musik Andreas Gabalier
Lebenswerk Stefanie Werger
Best Engineered Album Georg Tomandl & Mischa Janisch für Coshiva - "One by One"
Musikpartner des Jahres Eberhard Forcher für die "Austrozone"

  • Ein Vorteil der Papierzeitung: Man sieht nicht, dass sich die Zipfel der Hauben bewegen. Lustig. Die Jungen Zillertaler haben wahrscheinlich nichts gewonnen bei den Amadeus Awards.
    foto: apa/herbert neubauer

    Ein Vorteil der Papierzeitung: Man sieht nicht, dass sich die Zipfel der Hauben bewegen. Lustig. Die Jungen Zillertaler haben wahrscheinlich nichts gewonnen bei den Amadeus Awards.

  • Christina Stürmer hat zwei Amadeusse gewonnen.
    foto: apa/herbert neubauer

    Christina Stürmer hat zwei Amadeusse gewonnen.

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