Homosexualität unerwünscht: Nintendos Vorstellung vom virtuellen Leben

6. Mai 2014, 10:28
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Das Spiel "Tomodachi Life" erlaubt nur Beziehungen zwischen männlichen und weiblichen Miis - eine Kampagne soll dies ändern

Im 3DS-Spiel "Tomodachi Life" lässt Nintendo Spieler ein virtuelles Zweitleben führen. Man kann dort mit seinem Avatar (Mii) Berufen und Hobbys nachgehen, Freundschaften schließen, Flirten, Beziehungen eingehen und sogar den Bund der Ehe schließen. Eine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten, so scheint es, wäre da nicht eine entscheidenden Ausnahme: Heiraten ist nur erlaubt, solange ein Partner männlich und der andere weiblich ist. Gleichgeschlechtliche Ehe ist wie für viele homosexuelle Pärchen in der Realität auch in der Virtualität nicht möglich.

A man, a mission

Ändern will dies ein Spieler namens Tye Marini mit seiner vielsagenden Kampagne "Miiquality" - gleiches Recht für alle Miis. "Da das Spiel so einen starken Fokus auf Beziehungen legt, ist das ein Problem für viele homosexuelle Spieler", schreibt Marini in einer Stellungnahme gegenüber der Branchenseite Kotaku. "Ich denke, dass dies ein signifikantes Problem ist, das aus der Welt geschafft oder zumindest von Nintendo zur Kenntnis genommen werden sollte. Daher habe ich eine Bewegung gestartet, in der Hoffnung, Nintendo davon überzeugen zu können, gleichgeschlechtliche Beziehungen per Update in 'Tomodachi Life' zu ermöglichen oder zumindest in künftigen Fortsetzungen zu inkludieren."

Für Interessenten an der Initiative hat Marini eine Facebook-Seite und einen Twitter-Account angelegt.

Bug beseitigt

Tatsächlich war es in der japanischen Version von "Tomodachi Life" (die europäische Fassung erscheint im Juni) kurzzeitig möglich, Beziehungen zwischen zwei männlichen Charakteren einzugehen. Allerdings handelte es sich dabei um "einen Programmierfehler", den Nintendo per Update beseitigte, wie Kotaku anmerkt. "Ich glaube, diese Initiative könnte nicht nur Nintendos Einstellung zu dem Thema beeinflussen, sondern auch die gesamte Videospielindustrie. Wenn ein Massenmarktspiel von Nintendo gleichgeschlechtliche Ehen unterstützt, wäre es ein großer Schritt vorwärts für die Industrie", so Marini. 

Nintendo wäre allerdings nicht der erste Hersteller, der sich für gleichgeschlechtliche Beziehungen aussprechen würde. Zu populäreren Vorreitern in der Branche gehören Rollenspiele wie EAs "Mass Effect" oder "Dragon Age". (zw, derStandard.at, 6.5.2014)

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Video: "Miiquality"

  • "Da das Spiel so einen starken Fokus auf Beziehungen legt, ist das ein Problem für viele homosexuelle Spieler"
    foto: nintendo

    "Da das Spiel so einen starken Fokus auf Beziehungen legt, ist das ein Problem für viele homosexuelle Spieler"

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