Eurozone hilft globaler Wirtschaft auf Sprünge

6. Mai 2014, 11:00
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Die Industrieländer stehen "endlich" vor einem Aufschwung, rechnen die Pariser Ökonomen vor. Vier Grafiken zur Lage der Weltwirtschaft

Paris - Die Weltwirtschaft steht vor einer nachhaltigen Trendwende, erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). "Die großen Industrienationen kommen endlich in Fahrt", rechnet Rintaro Tamaki, der OECD-Chefökonom im aktuellen Wirtschaftsausblick. Das gilt vor allem für die Eurozone. Für den Währungsraum wurde der Wachstumsausblick seit der vergangenen Prognose im November leicht angehoben, auf 1,2 Prozent 2014 und 1,7 Prozent 2015.

Allerdings wird das schwache erste Quartal die größte Volkswirtschaft der Welt, die USA, etwas bremsen, erwartet die OECD. Die USA werden 2014 mit 2,6 Prozent wachsen statt mit den bisher prognostizierten 2,9 Prozent. Dennoch steigt der Anteil der OECD-Länder am Weltwirtschaftswachstum zwischen 2013 und 2015 stetig von 22,7 auf 29,8 Prozent. Die Schwellenländer tragen zur etwas stärkeren Wirtschaftsdynamik hingegen weniger bei.

Doch die Wachstumsprognose der OECD hängt auch davon ab, ob die Unternehmen wieder stärker investieren. In den meisten Ländern investieren die Unternehmen nach wie vor deutlich weniger als vor der Krise. "Eine Ankurbelung der Investitionen ist notwendig, damit die Erholung beschleunigt wird", schätzen die Ökonomen. Dabei sei das Umfeld für Unternehmen deutlich besser geworden.

Die Zinsen seien dank lockerer Geldpolitik niedrig, und ein weiterer Bremsklotz löst sich langsam: die politische Unsicherheit (siehe Grafik). Während sich in der Eurozone die Angst vor einem Zerfall der Gemeinschaftswährung aufgelöst hat, ist in den USA die Situation ums Budget deutlich entspannter als noch vor einem Jahr.

Eines der größten Risiken für die OECD ist die Entwicklung in der Eurozone. Denn selbst in den Kernländern der Eurozone sei die Inflation immer niedriger. Wenn es also zu einem weiteren Schock kommt, etwa durch einen weiteren Anstieg des Eurokurses, drohe eine lange Phase sehr niedriger Inflation oder gar Deflation, mahnt die OECD. Die EZB sollte die Leitzinsen daher auf null senken - von aktuell 0,25 Prozent.

Die jüngste Schwäche der Schwellenländer hat zwei Gründe: Einerseits hat die US-Notenbank Fed mit der Drosselung ihrer Anleihenkäufe die Währungen und das Wachstum in Ländern wie der Türkei, Indien oder Indonesien einbrechen lassen. Diese Länder sehen sich mit steigenden Zinsen konfrontiert, die die (Kredit-)Wirtschaft drosseln. Zweitens ist China damit beschäftigt, den heißgelaufenen Konjunkturmotor allmählich abzukühlen. Die OECD-Schätzung für das Wachstum in diesem Jahr wurde von 8,2 auf 7,4 Prozent gesenkt, "weil die Straffung der Kreditvergabe Folgen hat".

Tatsächlich seien die Risiken in Chinas Finanzmarkt deutlich gestiegen. Die (staatlichen) Banken haben nicht nur ihre Bilanzen in den vergangenen vier Jahren aufgebläht, um die Konjunktur mit Krediten zu stützen (siehe Grafik). Sie haben das mit einer immer dünneren Kapitaldecke gemacht.

Die OECD rechnet daher insgesamt mit einem stärkeren Wachstum für die Weltwirtschaft, auch wenn die Risiken gerade in der Eurozone und den Schwellenländern weiter hoch bleiben. (Lukas Sustala, derStandard.at, 6.5.2014)

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Weitere Daten und Visualisierungen finden Sie bei der OECD.

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