Mezquita von Córdoba soll interkonfessionell werden

5. Mai 2014, 18:05
132 Postings

360.000 Menschen fordern öffentliche Nutzung der ehemaligen Moschee

Die Initiative "Mezquita für alle" fordert die Rückgabe der Mezquita von Córdoba an Andalusiens Regionalregierung. Von Intellektuellen, Politikern und Journalisten gestartet, soll durch die Petition die Umwidmung in "ein interkonfessionelles Gebetshaus für Christen und Muslime erwirkt werden", so der Vorstoß, den seit Jahresbeginn mehr als 360.000 Menschen unterstützten.

Die Initiatoren fürchten um den Status als Unesco-Welterbe, den die Mezquita seit drei Dekaden hält, sollten die katholische Kirche weiter auf exklusive Nutzung pochen - Gebete anderer Konfessionen sind freilich strikt verboten. Wenngleich sich wiederholt Muslime dem in Vergangenheit widersetzten.

Reconquista

Die Mezquita-Catedral ist mit der Alhambra Granadas das prachtvollste Bauwerk des einst maurischen Südspanien: Auf mehr als 23.000 Quadratmeter Grundfläche errichtet, setzte 784 der erste Emir, Abd ar-Rahman I., den Auftakt für den Monumentalbau, der auf den Resten einer einst westgotischen Basilika errichtet und sukzessive erweitert wurde. Bis zur Fertigstellung der "Blauen Moschee" Istanbuls (1616) war sie nach der von Mekka das zweitgrößte, ehemals muslimische Gotteshaus der Welt.

In seinem weitläufigen Inneren tragen 856 Säulen aus Marmor, Granit, Onyx und Jaspis typisch-andalusische Hufeisenbögen der islamischen Ära. Doch 1236 fiel Córdoba mit der christlichen Reconquista an das Heer Ferdinands des III.. Aus der Moschee wurde zwei Jahre darauf eine katholische Kathedrale geweiht. Der Habsburger Kaiser Karl V. ließ gar Mitte des 16. Jahrhunderts Säulen entfernen, für etwas mehr an Kirche. Mit dem Ergebnis soll er Überlieferungen zu Folge jedoch keineswegs glücklich gewesen sein.

Bei der katholischen Kirche selbst, die - dank einer Reform von Expremier José María Aznar (Partido Popular, PP) - erst im Jahr 2006 die Mezquita für 30 Euro als ihr Eigentum registrieren ließ, stößt die Online-Petition erwartungsgemäß auf absolutes Unverständnis. Das Bistum Córdoba beharrt darauf, dass vor der muslimischen Epoche im sechsten Jahrhundert eine Kirche auf dem Grund stand.

"Muslimische Verschwörung"

"Es wäre ein Unsinn, der Kirche die Mezquita wegzunehmen", unterstrich auch Justizminister Alberto Ruiz Gallardón (PP), der zudem "vor hohen Entschädigungskosten warnte". Die rechte Tageszeitung "La Razón" schlug bereits titelseitig Alarm und warnte vor "einer muslimischen Verschwörung" zur Rückeroberung der einstigen Hauptmoschee.

Und der Klerus stellte neuerlich bei der Zentralregierung ein Ansuchen, auf dass die Kathedrale noch vor dem Sommer und "bis in alle Ewigkeit" in den Händen der katholischen Kirche verbleibe. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 6.5.2014)

  • Zerren um die Mezquita von Cordoba.
    foto: ap photo/giovanna dell’orto

    Zerren um die Mezquita von Cordoba.

  • Im Inneren des Gotteshauses.
    foto: ap photo/giovanna dell’orto

    Im Inneren des Gotteshauses.

  • Die charakteristischen Torbögen der früheren Moschee.
    foto: reuters/marcelo del pozo

    Die charakteristischen Torbögen der früheren Moschee.

Share if you care.