Rettung durch "Selbstbegasung"

5. Mai 2014, 17:29
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Eine Strategie, die sich bewähren könnte: Giftwatte schützt Darwinfinken vor tödlichen Parasiten

Salt Lake City - Darwinfinken, die so gut wie ausschließlich auf den Galápagos-Inseln leben, gelten als die "Wappentiere" der Evolutionstheorie, weil sie Darwin 1835 angeblich zu seinem Heureka-Erlebnis verhalfen: Die unterschiedlichen Schnäbel der verschiedenen Spezies auf den jeweiligen Inseln hätten ihm vor Augen geführt, wie sich Arten aufgrund von räumlicher Trennung und Anpassung auseinanderentwickeln.

Die Geschichte ist so nicht ganz richtig, und ihren Namen erhielten die Vögel auch erst rund hundert Jahre nach Darwins Besuch. Nichtsdestotrotz gehören die rund ein Dutzend Arten der Darwinfinken zu den rarsten Vogelspezies überhaupt. Vom Mangrove-Darwinfink etwa, der auf der Insel Isabella heimisch ist, gibt es kaum mehr hundert Exemplare.

Die rund 20 Zentimeter großen Vögel, die mit den Finken nur sehr weitläufig verwandt sind, sind seit einigen Jahren durch Parasiten bedroht: Die Larven einer eingeschleppten Fliegenart saugen an den frisch geschlüpften Vögeln, die daran zugrunde gehen. Seit einiger Zeit versuchen Forscher, die Nester mit dem Insektizid Permethrin zu besprühen, das auch in Anti-Läuse-Shampoos enthalten und verträglich ist (außer eben für Insekten).

Ornithologen um Sarah Knutie und Dale Clayton (Universität von Utah) haben sich eine einfachere und effektivere Gegenstrategie einfallen lassen und erfolgreich getestet: Sie brachten im Vorjahr 30 Käfige mit Watte an, die mit Permethrin versetzt war. Am Ende der Brutsaison stellte sich heraus, dass 85 Prozent der Nester die Watte enthielten. So gut wie alle Nester mit mehr als einem Gramm Watte waren parasitenfrei, wie die Forscher im Fachblatt "Current Biology" berichten. Die Vögel hatten also wie geplant für eine Selbstbegasung ihrer Brutstätte gesorgt.

Die Wissenschafter gehen davon aus, dass die Strategie nicht nur den Darwinfinken auf Galápagos, sondern auch anderen, ähnlich bedrohten Vogelarten das Überleben sichern könnte. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 6.5.2014)

  • Ein Darwinfink holt Watte, die mit einem Insektizid getränkt ist, und bringt sie zum Nest.
    foto: sarah knutie/university of utah

    Ein Darwinfink holt Watte, die mit einem Insektizid getränkt ist, und bringt sie zum Nest.

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