Google-Manager Gingras: Mit Verlegern in "symbiotischer Beziehung"

5. Mai 2014, 14:19
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Er fordert beim "European Newspaper Congress" im Wiener Rathaus Umdenken der Branche - "Braucht Arbeitskultur der ständigen Innovation"

Wien/Mountain View - Im Vorjahr überflügelte der weltweite Verkauf von Handys jenen von Zahnbürsten. Ein nicht nur aus zahnhygienischer Perspektive bedenkenswerter Umstand, stellen Smartphones doch mittlerweile einen wesentlichen Zugang zu Medien und Nachrichten dar, wie Google-News-Chef Richard Gingras beim "European Newspaper Congress" erläuterte. Nicht nur deshalb forderte er ein Umdenken der Medienbranche.

"Wir befinden uns in einer spannenden Zeit, die ich als Renaissance der journalistischen Kreativität bezeichnen würde", so Gingras zum Auftakt der Veranstaltung am Montagvormittag im Wiener Rathaus. "Mit dem Aufkommen des Internet hat sich die Medienlandschaft radikal verändert. Heute dominieren Medien unser Leben, wir konsumieren sie nicht nur, sondern leben darin." Die Rolle von Google definierte er relativ klar: "Wie organisiere ich die Informationen der Welt und mache sie einfach zugänglich?"

"Symbiotische Beziehung"

Dass das US-Unternehmen indes nicht nur von heimischen Verlegern gerne als zentraler Widersacher punkto Werbeerlöse und Aufmerksamkeit identifiziert wird, konnte Gingras nicht unbedingt nachvollziehen. Aus seiner Sicht befindet sich Google mit den Verlegern vielmehr in einer "symbiotischen Beziehung": "Wenn das mediale Ökosystem nicht vielfältig ist, dann braucht es kein Google." Für Medienunternehmen gelte es, in dem sich verändernden Umfeld die richtigen Fragen zu stellen, um neuen Herausforderungen begegnen zu können.

Die "unglaublich gewachsene Menge an zugänglichen Daten", egal ob von privaten oder öffentlichen Institutionen, spiele dabei eine zentrale Rolle. "In den richtigen Händen hilft es uns zu verstehen, wie unsere Gesellschaft funktioniert." Gleichzeitig bedeute der Datenjournalismus aber auch eine Verantwortung. Bis das neue, mediale Ökosystem eine passende Form gefunden hat, brauche es jedenfalls noch Zeit, glaubt Gingras. "Der Wandel ist alles andere als vorbei. Vielleicht ist er das auch nie."

Konzentration auf Geschichten

Den Medienunternehmen riet er unter anderem, sich auf Geschichten zu konzentrieren. Mittlerweile würden die Konsumenten im digitalen Bereich nicht mehr primär über die "Eingangstür", also die Frontpage, ein Angebot besuchen. "Sie kommen stattdessen über ein Fenster oder einen Seiteneingang direkt ins Wohnzimmer, ins Badezimmer", formulierte es Gingras überspitzt. Nicht geschnürte Pakete, sondern die Story selbst stehe im Mittelpunkt - verbreitet über Search Engines, die Blogosphäre oder Social Networks. Gerade deshalb müsse man jeden Aspekt des eigenen Unternehmens, Angebots und Geschäftsmodells überdenken. "Was nicht heißt, dass man alles ändern muss."

Dennoch sollte man sich darüber klar sein, dass neue Anbieter in den Startlöchern stehen. "Und diese sind nicht mit einem traditionellen Geschäftsmodell belastet. Die Architektur von News Content hat sich verändert. An einem Tag erscheint ein Artikel, am nächsten Tag verschwindet er im Archiv. Muss das so sein?" Gingras sprach sich für die Nutzung dieser Ressourcen aus und die Anpassung der Inhalte an den "digitalen Container". Der wichtigste Bestandteil sind dabei die Journalisten. Sie müsse man mit den richtigen Tools unterstützen. "Es braucht eine Arbeitskultur der ständigen Innovation." Einen einfachen Weg oder eine simple Antwort dürfe man sich nicht erwarten. (APA, 5.5.2014)

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