Drei von vier jungen Österreichern haben schon um Geld gespielt

5. Mai 2014, 14:11
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Institut für Jugendkulturforschung: 15 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen nutzen echtgeldfreie Online-Angebote - Männliche Jugendliche besonders gefährdet

Wien - Wieso ausgerechnet die Casinos Austria AG und die Österreichische Lotterien GmbH Finanzierungspartner einer Studie über die "Nutzung von (Online-)Glücksspielen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Österreich" sind? "Es gibt niemanden, der das sonst zahlt", sagt der Wiener Jugendanwalt Anton Schmid dem Standard ganz trocken. "Diese Unternehmen machen mit Spielern und Spielsüchtigen auch genug Geld, insofern ist es schon richtig, dass sie zahlen."

Die Studie wurde vom Institut für Jugendkulturforschung in Kooperation mit der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft durchgeführt. Schmid: "Ich kann garantieren, dass die Geldgeber sich zwar das Design der Studie angeschaut, sich aber inhaltlich nicht eingemischt haben."

Die Ergebnisse der ersten ausführlichen Studie über junge Zocker in Österreich haben Schmid überrascht. "Ich hätte es schlimmer erwartet." Mehr als die Hälfte der Befragten im Alter zwischen zwölf und 24 Jahren gab an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate Geld bei kommerziellen Wettanbietern gesetzt zu haben. Drei von vier befragten Jugendlichen haben mindestens einmal Geld bei einem Anbieter gewettet. "Das Glücksspiel ist in der Lebenswelt der Jugendlichen angekommen", sagt Schmid.



Als regelmäßige Zocker sind vor allem junge Männer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren mit niedriger bis mittlerer Bildung gefährdet: Etwa 15 Prozent der Befragten spielen mindestens einmal pro Woche. Bei jungen Frauen macht der Anteil jener, die häufig spielen, nur fünf Prozent aus.

Trotz des einfachen Zugangs zu Online-Wetten und -Glücksspielen ist das bei Jugendlichen laut der aktuellen Studie kein großes Thema - zumindest kein quantitatives: Nur 15 Prozent der Jugendlichen gaben an, im vergangenen Jahr mindestens einmal online gewettet zu haben. "Problematisch ist aber, dass diese Spieler dazu tendieren, diese öfter in Anspruch zu nehmen", sagt Matthias Rohrer, einer der Studienautoren. Jeder Dritte, der angegeben hat, Online zu wetten, spielt mindestens einmal pro Woche. Die Frequenz macht Online-Spiele für Jugendliche gefährlich.

Echtgeldfreie Glücksspiele erfreuen sich vor allem bei Jüngeren wachsender Beliebtheit. Sie gelten als Einstiegsdroge: "Denn warum soll ich nicht einmal richtiges Geld setzen und wieder gewinnen?", sagt Rohrer.



Glücksspiel im Internet boomt seit Jahren. Das merken auch die Österreichischen Lotterien, die hierzulande aufgrund des Glücksspielmonopols theoretisch als einzige Glücksspiele online anbieten dürfen. Ihre Homepage win2day soll mittlerweile die Cashcow des Casinos-Austria-Konzerns sein. Praktisch ist das Internet - im rechtlichen Graubereich - freilich grenzenlos, junge Österreicher spielen auch auf vielen anderen Online-Plattformen.

Geschicklichkeitsspiel

Sportwetten sind in Österreich, im Gegensatz etwa zu Deutschland, vom Glücksspiel ausgenommen. Denn das Wetten auf Fußballergebnisse oder auch darauf, welches Team als nächstes einen Freistoß zugesprochen bekommt oder welcher Spieler eine Gelbe Karte erhält, gilt rechtlich als "Geschicklichkeitsspiel". Seit 2008 ist übrigens Sportwettenanbieter tipp3 Namenssponsor der heimischen Fußball-Bundesliga. Ab Sommer 2014 wird der deutsche Wettanbieter Tipico für drei Jahre Titelsponsor sein.

Insgesamt haben sich die Spiel- und Wetteinsätze in Österreich seit 2002 - trotz Finanzkrise - auf 14,06 Milliarden Euro verdreifacht. Der Staat nascht dank Steuereinnahmen mit. (krud, DER STANDARD, 6.5.2014)

(APA/red, derStandard.at, 5.5.2014)

  • Von Spiel- zu Echtgeld ist die Grenze bei Online-Glücksspielen fließend.
    foto: ap photo/wayne parry

    Von Spiel- zu Echtgeld ist die Grenze bei Online-Glücksspielen fließend.

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