Vatikan soll im Besitz von Archiven über geraubte Kinder sein

5. Mai 2014, 06:24
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"Großmütter der Plaza de Mayo" baten Papst Franziskus um Hilfe - Verbrechen während der Militärdiktatur

Buenos Aires/Vatikanstadt - Eine der Gründerinnen der argentinischen Menschenrechtsorganisation "Großmütter der Plaza de Mayo" hat dem Vatikan vorgeworfen, Unterlagen über Babys zurückzuhalten, die während der Militärdiktatur (1976-1983) von Aktivisten der Demokratiebewegung geraubt wurden. Das sagte Maria Isabel Chorobik de Mariani in einem Radiointerview, wie "amerika21.de" am Wochenende berichtete.

Mariani sucht seit 1976 nach ihrer Enkelin Clara Anahi, die drei Monate alt war, als sie in La Plata von Mitgliedern der Militärjunta entführt wurde. Gemeinsam mit anderen Frauen der Organisation Großmütter der Plaza de Mayo wandte sich Mariani zuerst an die Kirche und an die örtliche Polizei.

Keine Informationen mehr

Jedoch wurden "amerika21.de" zufolge ernsthafte Nachforschungen sehr schnell von einem Geistlichen der Marine in Buenos Aires, Emilio Teodoro Graselli, abgewehrt. Er soll erklärte haben, dass sich die Enkelin von Mariani in den Händen einer hochrangigen Familie befinde, die anzutasten ein Ding der Unmöglichkeit sei.

Danach gelang es Mariani nicht mehr, weitere Informationen über den Verbleib von Clara Anahi zu bekommen. Im April vergangenen Jahres forderten die Großmütter der Plaza de Mayo schließlich Papst Franziskus dazu auf, die Archive des Vatikans und der argentinischen Kirche zu den Jahren der Militärherrschaft zu öffnen. Der Papst sicherte ihnen dabei seine Unterstützung zu.

Mehr als 500 Kinder geraubt

In diesem Zusammenhang gab Mariani nunmehr gegenüber dem Radiosender FM La Plata an, sich nicht mehr von Worten und Gesten täuschen lassen zu wollen: "Ich möchte Wahrheiten und ich möchte meine Enkelin finden, bevor ich sterbe. Von Informationen über die verschwundenen Erwachsenen weiß ich nichts, jedoch bin ich sicher, dass es von den entführten Kindern Unterlagen im Vatikan gibt."

Während der Militärdiktatur in Argentinien von 1976 bis 1983 wurden mehr als 500 Kinder ihren leiblichen Eltern weggenommen, bevor man diese als sogenannte "Regimegegner" ermordete. Später übergab man die Kinder zur Adoption an Militärangehörige weiter. (APA, 5.5.2014)

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